
Die Neuheiten von Alstom auf dem Freigelände sind weit verteilt: Ein Hingucker ist der elegante Intercity-Zug des Typs Coradia Stream für Trenitalia, die beiden TRAXX-Lokomotiven wirken zwischen den zahlreichen anderen Ausstellungsstücken fast etwas verloren. Auf dem Messestand der Herstellers ist nicht nur der Adessia-Stream-Triebzug für das Kölner S-Bahn-Netz zu sehen, sondern es sind auch etliche weitere Züge im Modellbahn-Maßstab zu erleben.
Auf dem Freigelände
Die Traxx Universal für das Unternehmen Railpool ist Teil eines Auftrags über 50 Lokomotiven – und die erste neue Maschine dieses Typs, die seit mehr als zehn Jahren in Frankreich zugelassen wurde. Sie ist mit dem Onvia-Zugbeeinflussungssystem und der „Last-Mile“-Funktion ausgestattet, sodass sie nahtlos im grenzüberschreitenden Betrieb auf dem Ost-West-Korridor eingesetzt werden kann. Die Traxx Universal für Captrain gehört zu einer Bestellung von mehr als 30 Maschinen durch verschiedene Captrain-Gesellschaften in ganz Europa – sie kann in Frankreich, Luxemburg, Belgien, Deutschland, Österreich und Polen eingesetzt werden. Der Coradia Stream für Trenitalia, eine Tochter der Ferrovie dello Stato Italiane (FS), bietet schließlich einen Einblick in die nächste Generation italienischer Intercity-Züge. Das für Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ausgelegte Fahrzeug vereint Komfort mit Polstersitzen und Tischen, Barrierefreiheit, digitale Innovationen sowie Nachhaltigkeit.
Am Messestand
Alstom liefert bis zu 90 Elektro-Triebzüge des Typs Adessia Stream für die S-Bahn Rheinland. Die ersten Fahrzeuge sollen ab 2029 rollen, bis Ende 2032 soll die Flotte komplett sein. Auf der InnoTrans vermittelt ein begehbares Mock-up einen ersten Eindruck von den mit einem weitläufigen Fahrgastraum ausgestatteten Einheiten. Mit den Neuzugängen soll das S-Bahn-Netz rund um Köln für die Zukunft ertüchtigt werden. Die beiden zuständigen SPNV-Aufgabenträger, die go.Rheinland GmbH und die Verkehrsverbund Rhein-Ruhr AöR (VRR), haben sich nach einem europaweiten Vergabeverfahren für die neuen Adessia-Stream-Züge von Alstom entschieden. Der Hersteller wird für 34 Jahre auch für die Wartung der S-Bahnen verantwortlich sein. Der Auftrag hat ein Volumen von rund 4 Mrd. Euro.
Die Adessia Stream werden in zwei Varianten als neun- und elfteilige Züge geliefert. Der Neunteiler ist zirka 150 m lang, der Elfteiler rund 170 m. Bisher fahren 67 m lange S-Bahnen der Baureihe 423 auf dem Kölner S-Bahn-Netz in Mehrfachtraktion. Darauf kann durch die Länge der neuen Adessia Stream künftig verzichtet werden – der durch den Entfall von Führerständen entstehende Platz kommt so den Fahrgäste zugute. Die neuen Züge werden eine Kapazität von mehr als 1150 bzw. 1340 Passagieren haben. Die Innenausstattung besteht aus einem Mix von unterschiedlichen Modulen: Grundsätzlich wird jeder Wagen über Mehrzweckbereiche für Reisende mit Kinderwagen oder Fahrrad verfügen – hier kommen Mehrzweckmodule mit Klappsitzen zum Einbau. Für Fahrgäste, die längere Strecken zurücklegen, wird es klassische Vis-à-vis-Sitzmodule mit drei oder vier gepolsterten Einzelsitzen sowie kleinen Tischen unter den Fenstern geben. Daneben sind so genannte Flexmodule geplant – das sind Vis-à-vis-Sitze, die umgeschwenkt oder eingefahren werden können, sodass sich bei Bedarf die Anzahl der Stehplätze erhöhen lässt. Ein Novum der neuen S-Bahn-Züge ist eine barrierefreie WC-Anlage in jedem Endwagen: Keine andere S-Bahn mit hochflurigen Fahrzeugen in Deutschland verfügt bisher über Toiletten.
Besitzer der neuen S-Bahnen werden go.Rheinland und VRR bzw. deren Eigenbetriebe sein, die die Züge den Eisenbahn-Unternehmen für den Betrieb zur Verfügung stellen. Im März 2024 war der Betrieb des Kölner S-Bahn-Netzes bis Dezember 2032 an DB Regio vergeben worden. Gewartet werden die Adessia Stream in modernen Werkstätten in der Region Köln.
Text: Alstom/red, Bild: Regionalverkehr



