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Infrastruktur, Mobilität

Ausflugstipp: „Tag des offenen Denkmals“ im Kammerl

Am Sonntag, dem 13. September 2026, öffnet das historische Bahn-Wasserkraftwerk Kammerl im bayerischen Saulgrub von 11 bis 16 Uhr seine Türen zum Tag des offenen Denkmals.

8. September 2026

Das Gebäude eines Kraftwerks steht vor Bäumen.
Das Kraftwerk Kammerl liegt eingebettet in die Landschaft des Ammertals und ist gut per Bahn und zu Fuß zu erreichen.

Unter dem diesjährigen Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“ steht dabei nicht nur das historische Kraftwerk selbst im Mittelpunkt, sondern das technische Netzwerk, das vor mehr als 120 Jahren die Elektrifizierung der Nebenbahn Murnau – Saulgrub – Oberammergau möglich machte.

Ein Kraftwerk ist mehr als ein Gebäude

Das Bahn-Wasserkraftwerk Kammerl ist ein außergewöhnliches Zeugnis der frühen elektrischen Eisenbahn-Infrastruktur. Seit 1905 versorgte das Kraftwerk die Bahnstrecke Murnau – Oberammergau mit elektrischer Energie. Wasserkraft, Kraftwerk, Stromversorgung, Oberleitung und Eisenbahn bildeten dabei ein zusammenhängendes technisches System. Was heute selbstverständlich erscheint, war um 1900 ein technisch und wirtschaftlich gewagtes Projekt. Beim Besuch in Kammerl wird sichtbar, wie eng Energie-Gewinnung und Verkehrsgeschichte miteinander verbunden sind. Das Wasser aus dem Ammertal wurde über die historische Infrastruktur zum Kraftwerk geführt, dort zur Strom-Erzeugung genutzt und anschließend für den elektrischen Bahnbetrieb eingesetzt. Damit steht Kammerl beispielhaft für das Jahresmotto des diesjährigen Denkmaltags: Das Denkmal ist kein isoliertes Bauwerk, sondern Teil eines größeren historischen Netzwerks.

Eine besondere Rolle spielen dabei die Menschen, die hinter der Entstehung der Ammergaubahn standen. Die Geschichte beginnt mit Persönlichkeiten wie Heinrich Baumgartner, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Vision einer elektrischen Bahn im Ammertal verfolgte. Unterstützt wurde das Vorhaben von Unternehmern, Technikern, Wissenschaftlern und örtlichen Akteuren. Auch Oskar von Miller steht für die technischen Voraussetzungen dieser Entwicklung. Seine Arbeiten zur elektrischen Energie-Übertragung trugen dazu bei, dass die Versorgung einer elektrisch betriebenen Gebirgsbahn überhaupt realistisch wurde. O. L. Kummer und sein Unternehmen übernahmen wesentliche Vorschläge von Miller zur technischen Umsetzung – darunter Oberleitung, Kraftwerk und elektrische Ausrüstung.

Führung zum historischen Wasserlauf

Ein besonderer Programmpunkt ist der Spaziergang „Der Weg des Wassers – Kanal und Wasserschloss des Kraftwerks Kammerl“. Die etwa 45-minütige Führung folgt dem historischen Wasserweg des Kraftwerks und zeigt, wie Kanal und Wasserschloss mit der Stromerzeugung und damit letztlich mit dem Bahnbetrieb verbunden waren. Die Führungen beginnen um 12 und um 14 Uhr. Empfohlen wird festes Schuhwerk, die Tour ist nicht barrierefrei.

Wer waren die Wegbereiter der Ammergaubahn?

Bei den stündlichen Führungen durch die historische Maschinenhalle des Kammerls erzählt der Bad Kohlgruber Heimatpfleger Martin Doll von den Wegbereitern der Ammergaubahn und ihrem Beitrag zur Entstehung der elektrischen Bahn. Dabei geht es nicht nur um die oben genannten Akteure, sondern auch um weniger bekannte Personen, ohne deren Zusammenspiel das Projekt kaum hätte verwirklicht werden können. Gerade diese persönliche Seite der Geschichte zeigt, dass technische Denkmale immer auch Regionalgeschichte erzählen. Die Bahn war nicht das Werk eines Einzelnen, sondern das Ergebnis eines Zusammenspiels von Visionären, Unternehmern, Technikern und Praktikern.

Filmvorführung am Vorabend

Bereits am Samstag, dem 12. September 2026, findet um 19 Uhr im Bahn-Wasserkraftwerk ein besonderer Filmabend statt: Gezeigt wird der historische Streifen „Roßhaupten – ein altes Projekt wird endlich Wirklichkeit“ über den Bau des Speicherkraftwerks Roßhaupten und des Forggensees. Vor der Vorführung gibt es eine kurze Einführung. Für den Filmabend ist aufgrund der begrenzten Sitzplätze eine Anmeldung erforderlich.

Ein Denkmal als Teil unserer Gegenwart

Das Bahn-Wasserkraftwerk Kammerl wurde zwischen 2020 und 2022 umfassend saniert und museal aufbereitet. Heute bietet es die Möglichkeit, die Verbindung von Wasser, Energie, Technik und Mobilität unmittelbar vor Ort zu erleben. Der Tag des offenen Denkmals soll deshalb nicht nur einen Blick zurückwerfen. Er zeigt auch, wie historische Infrastruktur eine Region geprägt hat – und wie viel Wissen über technische Lösungen, regionale Ressourcen und gesellschaftliche Zusammenarbeit in solchen Denkmalen steckt.

Neu zu sehen sind außerdem historische Fahrleitungsmasten der Ammergaubahn, die im Außenbereich an einem Gleisrost aufgestellt sind. Sie erinnern an die ursprüngliche Fahrleitungsanlage und machen den Zusammenhang zwischen Kraftwerk, Stromversorgung und elektrischem Bahnbetrieb unmittelbar anschaulich.

Anreise und barrierefreier Zutritt

Das Kammerl liegt knapp 3 km vom Bahnhof Saulgrub an der Strecke Murnau – Oberammergau entfernt und ist bequem zu Fuß oder per Fahrrad über die wenig befahrene Achelestraße zu erreichen. Der Zutritt zur Halle und zu den Sanitärräumen ist barrierefrei. Eintritt und Führung im Kraftwerk sind kostenlos, der Förderverein freut aber über eine Spende.

Abstecher zur „Johanna“

Wer über die Bahnstrecke München – Garmisch-Partenkirchen anreist, muss in Murnau in den Zug nach Oberammergau umsteigen. In Murnau lohnt sich ein Abstecher zur Denkmal-Lok E 69 04, die auf einem kurzen Gleisstück nur wenige Meter abseits der Bahnsteige steht. Die zweiachsige Maschine, vom Fahrpersonal einst „Johanna“ genannt, war bis 1977 zwischen Murnau und Oberammergau im Einsatz. Nach ihrer Ausmusterung wurde sie vor dem damaligen Bundesbahn-Zentralamt in München als technisches Denkmal aufgestellt. 1997 kam sie per Tieflader zurück nach Murnau, wo sie zunächst am Empfangsgebäude platziert war. Seit 2023 steht sie auf dem Gelände des ehemaligen Lokalbahnhofs.

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals im Kammerl am 13. September 2026 gibt es hier.

Text: Förderverein des historischen Bahn-Wasserkraftwerks Kammerl/red, Bild: Förderverein des Kammerl

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