
Die Aufgabenträger VRR und NWL haben insgesamt 76 zweiteilige Civity BEMU (Battery Electric Multiple Units) bestellt, die im Niederrhein-Münsterland-Netz, im Netz Nördliches Westfalen sowie auf der Glückauf-Bahn verkehren sollen. Die ersten Einsätze sind ab Ende 2027 im Niederrhein-Münsterland-Netz geplant.
Triebzüge in unterschiedlichen Längen
Beim Civity handelt es sich um eine modulare Plattform für Regional- und Nahverkehrszüge, die vom spanischen Hersteller CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles) mit dieselhydraulischem, dieselelektrischem, elektrischem und/oder batterie-elektrischem Antrieb angeboten werden. Die Triebzüge sind in zwei- bis achtteiliger Ausführung erhältlich, wobei die Wagen auch doppelstöckig ausgeführt sein können. Jeder Waggon hat mindestens einen Niederflureinstieg, wobei die Fußbodenhöhe im Niederflurbereich bei 60 oder 80 cm über Schienenoberkante (SO) liegen kann. Die Civity BEMU für Nordrhein-Westfalen sind zweiteilig: Bestellt wurden 15 Triebzüge mit einer Länge von 44,9 m und 122 Sitzplätzen sowie 61 Einheiten mit einer Länge von 55,48 m und 160 Sitzplätzen. In der kurzen Ausführung sind die Wagen über ein Jakobs-Drehgestell miteinander verbunden, und jeder Wagen hat nur einen Einstieg pro Seite. Die Langversion verfügt über zwei Drehgestelle pro Wagen, sodass zwei Doppeltüren pro Wagenseite angeordnet werden konnten. Die Einstiegshöhe liegt bei 80 cm.
Reichweiten von bis zu 220 km
Die Civity BEMU verfügen über Stromabnehmer, sodass sie auf Strecken mit Oberleitung wie klassische Elektrotriebzüge am Fahrdraht verkehren und gleichzeitig die Energiespeicher laden können. Auf nicht-elektrifizierten Abschnitten fahren sie im Batteriemodus. Die Reichweite orientiert sich an den Strecken-Anforderungen: So müssen im Teilnetz 1 des Niederrhein-Münsterland-Netzes auf dem RE 10 Düsseldorf – Krefeld – Geldern – Kleve und auf der RB 37 Neuss – Krefeld – Geldern zirka 220 km erreicht werden. „Erlaubt“ ist dabei ein Nachlade-Stopp von zehn Minuten in Kleve. Für das Teilnetz 2, zu dem unter anderem der RE 14 Essen – Dorsten – Borken / Coesfeld sowie die RB 31 Duisburg – Moers – Xanten gehören, genügt eine Reichweite von 65 bis 90 km. Für mehr Flexibilität können die Züge auch an das jeweils andere Teilnetz angepasst werden. Das Netz Nördliches Westfalen umfasst die noch zu reaktivierenden Linien Münster – Sendenhorst und Harsewinkel – Verl.
Als Besonderheit lassen sich die Civity BEMU auch über eine Niederspannungs-Stromversorgung laden. Diese Möglichkeit wurde von den Aufgabenträgern nachträglich gewünscht, sodass sich die Auslieferung der ohnehin schon verspäteten Züge weiter verzögerte – ursprünglich sollten sie bereits Ende 2025 in Betrieb gehen.
Zwei neue Betriebswerke
CAF wird die Civity BEMU nicht nur liefern, sondern auch für 30 Jahre instandhalten. Dafür errichtet der Hersteller neue Werkstätten in Gelsenkirchen-Bismarck und Neubeckum. Die Aufgabenträger stellen die Einheiten den künftigen Betreibern zur Verfügung – bisher wurde nur das Teilnetz 2 des Niederrhein-Münsterland-Netzes an die Bahntochter DB Regio NRW vergeben.
Text: VRR/CAF/red, Bild: VRR


