
Laut PRO BAHN setzen Bund und Länder falsche Prioritäten: Seit dem 1. Oktober 2026 bis Ende des Jahres verbilligen sie Benzin und Diesel mit dem Tankrabatt um rund 17 Cent je Liter, die Teuerung beim ÖPNV wälzen sie dagegen auf die Fahrgäste ab.
Preisanpassung muss transparent sein
Der Tankrabatt kostet für drei Monate bis zu 2,5 Mrd. Euro. Bereits der Tankrabatt im Frühjahr, der vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 galt, hatte zirka 1,5 Mrd. Euro verschlungen. Für das Deutschland-Ticket stellen Bund und Länder zusammen „nur“ 3 Mrd. Euro im Jahr bereit, gesetzlich fixiert bis 2030. Wer Diesel und Benzin entlaste und den Preis des Deutschland-Tickets erhöhe, setze laut PRO BAHN aber den Anreiz zum Umsteigen in die falsche Richtung. Der Fahrgastverband fordert deshalb, die Preisanpassung künftig an die Inflationsrate zu binden und den Rest aus öffentlichen Mitteln und Effizienzgewinnen zu decken. Der öffentliche Verkehr sorge für die Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger am täglichen Leben ohne Autozwang, so PRO BAHN. Weil die Finanzierung des D-Tickets politisch gedeckelt ist, tragen die Fahrgäste jede Kostensteigerung allein. Ab 2027 richtet sich der Preis nach einem Kostenindex aus Personal, Energie und Betrieb, der Zuschuss von Bund und Ländern bleibt jedoch gleich.
„Die Preissteigerung darf die jährliche Inflationsrate nicht übersteigen. Eine Preisanpassung muss nachlaufend und transparent an der Inflationsrate ausgerichtet werden“, forderte Jörg Bruchertseifer, Tarifexperte bei PRO BAHN, am 5. Oktober 2026. „Die Differenz müssen Bund und Länder ausgleichen, und die Verkehrsunternehmen müssen sie durch Effizienzgewinne verringern.“
Kundenverwaltung verschlanken
Der Preis ist laut PRO BAHN nicht das einzige Problem. Die ÖPNV-Landschaft in Deutschland ist stark zersplittert, und dadurch bleiben Effizienzgewinne auf der Strecke, so der Verband. Fahrgäste seien in erster Linie Kunden des Systems und nicht des einzelnen Verkehrsunternehmens, das zeige der Erfolg des D-Tickets. Die Branche müsse gleiche Aufgaben, die heute Hunderte Unternehmen jeweils für sich erledigen, an zentrale Dienstleister geben, so PRO BAHN. Das gelte für Kundenverwaltung, Ticketvertrieb und Einnahmeaufteilung. „Das verschlankt die Kundenverwaltung und den Aufwand für die Finanzströme erheblich“, erklärte Prof. Dr. Lukas Iffländer, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbands PRO BAHN.
Einfachtarif für Deutschland
Um den Verwaltungsaufwand zu verringern, hat PRO BAHN ein Konzept für einen bundesweit einheitlichen Deutschlandtarif, der auf dem Deutschland-Ticket aufbaut, erarbeitet. „Einheitliche Grundstrukturen im Deutschlandtarif senken die Nutzungsschwelle für den öffentlichen Verkehr“, fasst Jörg Bruchertseifer zusammen. Weitere Informationen zum Einfachtarif für Deutschland gibt es hier.
Text: PRO BAHN/red, Bild: Regionalverkehr


