
Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) legte am 14. April 2026 den dritten Zwischenbericht zur Evaluation des Deutschland-Tickets 2024-2026 vor. Die Studie des Gutachter-Konsortiums unter Leitung der infas – Institut für angewandte Sozialwissenschaft GmbH trägt den Untertitel „Regionale Verbreitung, Nutzung, Potenziale, Wirkungen und Nachfrageveränderungen“ und basiert auf dem Arbeits- und Erhebungsstand bis Ende September 2025.
Breite Nutzung des D-Tickets
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte: „Die Studie zeigt: Das Deutschland-Ticket wirkt. Es entlastet Bürgerinnen und Bürger, stärkt den öffentlichen Verkehr und reduziert CO₂-Emissionen. Gleichzeitig besteht weiteres Potenzial, zusätzliche Nutzerinnen und Nutzer zu gewinnen. Entscheidend sind Verlässlichkeit, ein attraktives Preisniveau und ein gutes Angebot. Bund und Länder haben die Finanzierung bis 2030 gesichert. Nun gilt es, die positiven Effekte weiter auszubauen.“ Die seit Spätsommer 2024 laufende, bis 2027 angelegte Evaluation wird von einem Konsortium unter Leitung von infas gemeinsam mit dem Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr (RWTH Aachen), der TU Dresden sowie der Unternehmensberatung mobilité durchgeführt. Grundlage sind eigene qualitative und quantitative Primärerhebungen, Sekundäranalysen sowie verschiedene Statistiken zum D-Ticket.
Der Bericht bestätigt die breite Nutzung des D-Tickets. Aktuell nutzen rund 14,5 Mio. Menschen das Angebot, das entspricht etwa einem Fünftel der Bevölkerung. Die Nachfrage ist besonders in Metropolen hoch, zugleich spielt das Ticket auch in ländlicheren Räumen eine relevante Rolle. Ferner konnten Gelegenheitsnutzer stärker an den öffentlichen Verkehr gebunden werden. Die Gutachter sehen zusätzliches Potenzial von bis zu 5,8 Mio. weiteren D-Tickets. Dieses könne insbesondere durch die Reaktivierung früherer Nutzer sowie durch konsequentes Marketing erschlossen werden. Trotz einer im Jahr 2025 stagnierenden Nutzerbasis infolge von Preisdiskussionen wird eine signifikante Verlagerung vom privaten Pkw zum öffentlichen Verkehr festgestellt. Damit verbunden sind positive Umweltwirkungen. Die Gutachter schätzt die CO₂-Einsparung durch das D-Ticket auf rund 2,5 Mio. Tonnen jährlich. Dies entspricht einer Reduktion der Emissionen des privaten Pkw-Verkehrs um etwa 3%. Darüber hinaus zeigen erste Abschätzungen positive volkswirtschaftliche Effekte, die in der Summe über dem aktuellen Niveau der Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern liegen.
Die Evaluation hebt zudem hervor, dass das D-Ticket die Mobilität insbesondere von Menschen mit geringerem Einkommen verbessert und die gesellschaftliche Teilhabe stärkt. Gleichzeitig wurde ein Digitalisierungsschub im Vertrieb beobachtet, bei dem weiterhin Entwicklungsbedarf besteht. Für den langfristigen Erfolg nennen die Gutachter insbesondere Verlässlichkeit, moderate Preisentwicklung, Angebotsqualität und aktive Vermarktung.
Veröffentlichung der Evaluation wirkt wie ein Ablenkungsmanöver
Beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) stieß die Veröffentlichung der Evaluations-Ergebnisse auf Kritik. VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff sagte am Abend des 14. April 2026: „Wir bedauern, dass diese Ergebnisse ohne Vorankündigung an die Länder und an die Branche über die Presse veröffentlicht wurden. Der Zeitpunkt dieser Veröffentlichung, direkt nach dem Entlastungsgipfel der Bundesregierung, erscheint wie ein Ablenkungsmanöver. Denn man hat zwar einen Tankrabatt beschlossen, aber keine Entlastungs-Maßnahmen für die 24 Mio. Fahrgäste, die durch ihre ÖPNV-Nutzung täglich aktiv dazu beitragen, dass in Deutschland erheblich weniger Diesel und Benzin verbraucht werden.“ Die Ergebnisse der Evaluation seien mehr als sechs Monate alt und aus Sicht des VDV an entscheidender Stelle unzutreffend. Wolff: „Das angebliche Potenzial an zusätzlichen Kundinnen und Kunden beim Deutschland-Ticket stellen wir in den Verkaufszahlen nicht fest. Vielmehr ist es so, dass aufgrund des immensen wirtschaftlichen Drucks auf die Verkehrsunternehmen das ÖPNV-Angebot bundesweit teilweise reduziert wird. Das ist widersinnig zum Gedanken des Deutschland-Tickets.“ Laut VDV würden die Verkaufszahlen, sofern der Bund keine Maßnahmen ergreife, eingefroren bleiben. Wolff: „Wir sind sehr überrascht, dass das BMV nun ein konsequentes Marketing für das Deutschland-Ticket ins Spiel bringt. Dies hat die Branche, die jährlich einen siebenstelligen Betrag für die Vermarktung des Tickets aufwendet, immer wieder Bund und Ländern vorgeschlagen.“ Der Bund sei jedoch, ebenso wie bei der gemeinsamen Marktforschung, bereits vor über einem Jahr aktiv aus einer bundesweiten Kampagne ausgestiegen und habe diese damit faktisch beendet.
Text: BMV/VDV/red, Bild: Regionalverkehr


