
Für den Schienenverkehr bedeutet die schrittweise Ablösung des veralteten Funkstandards GSM-R und der Übergang zu breitbandiger, missionskritischer Kommunikation eine große Herausforderung: Bis zum geplanten Abschaltdatum von GSM-R im Jahr 2035 sind allein in Deutschland bis zu 21.000 Schienenfahrzeuge umzurüsten.
Umstellung in technischer Hinsicht absolut geboten
Betroffen sind Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) im Personen- und Güterverkehr ebenso wie ÖPNV-Unternehmen. Ob S-Bahnen oder Züge des regionalen Personen- und Güterverkehrs – die Betreiber sind gefordert, in der gesamten Flotte ein sicherheitskritisches Kommunikationssystem im laufenden Betrieb auszutauschen. Das darf jedoch keinesfalls zu Einschränkungen von Verfügbarkeit und Sicherheit im Bahnverkehr führen. Dabei ist die Umstellung in technischer Hinsicht absolut geboten: GSM-R diente über Jahrzehnte als zuverlässiger Standard für die Sprach-Kommunikation, stößt jedoch im digitalen Zeitalter an seine Grenzen. Basierend auf 2G-Technologie der 1990er Jahre ist das System für moderne Anforderungen wie Echtzeit-Datenübertragung oder Video-Anwendungen nicht ausgelegt. Breitbandige Mission-Critical-Dienste und FRMCS (Future Railway Mobile Communication System) schaffen die Grundlage für eine leistungsfähige, datenbasierte Bahn-Kommunikation.
Vom Funktelefon zum Datennetzwerk
Der regionale Bahnverkehr profitiert dadurch von einer stabileren und leistungsfähigeren Verbindung zwischen Zug und Leitstelle. Wo früher nur einfache Funksprüche möglich waren, lassen sich künftig auch hochauflösende Kamerabilder, Sensordaten und mobile Lageinformationen übertragen. Leitstellen können dadurch Störungen im regionalen Netz schneller bewerten und die Betriebsstabilität spürbar erhöhen.
Allerdings stellt die FRMCS-Migration die regionalen Bahnbetreiber vor enorme Herausforderungen: Da nicht alle Strecken und Fahrzeuge gleichzeitig umgerüstet werden können, müssen GSM-R und FRMCS über einen Zeitraum von mehreren Jahren parallel betrieben werden. Das ist insbesondere für Betreiber mit heterogenen Fahrzeugflotten und unterschiedlichen Ausrüstungsständen ein kritisches Szenario. So muss ein Zug auf einer bereits modernisierten Strecke ebenso sicher kommunizieren wie auf einem Abschnitt, der noch auf den alten Standard setzt.
Modulare Kommunikations-Plattformen erleichtern Umstieg
Ein zukunftssicherer Ansatz für eine erfolgreiche FRMCS-Migration liegt in der Entkopplung von Hardware und Software. Durch modulare Kommunikations-Plattformen, wie sie beispielsweise Frequentis mit MissionX anbietet, lassen sich Funkmodule und bahnbetriebliche Anwendungen unabhängig voneinander aktualisieren. Das erleichtert das Retrofit von Bestandsfahrzeugen erheblich und schützt Investitionen, da das System flexibel auf künftige technologische Entwicklungen reagieren kann.
Wie dieser komplexe Umstieg erfolgreich gelingt, zeigen bereits heute Projekte bei europäischen Nachbarn. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) setzen auf software-basierte Plattformen, die eine nahtlose Integration in die bestehende Infrastruktur ermöglichen. In Österreich erprobt die ÖBB-Infrastruktur AG erfolgreich Lösungen für den Parallelbetrieb, um die Interoperabilität zwischen alter und neuer Funktechnologie sicherzustellen.
Fazit: FRMCS jetzt auf die Agenda setzen
Entscheidungsträgern im regionalen Schienenverkehr ist dringend zu empfehlen, FRMCS frühzeitig in die Beschaffungs- und Flotten-Strategien zu integrieren. Werden neue Fahrzeuge ausgeschrieben oder Bestandsflotten modernisiert, sollte bereits jetzt konsequent auf offene Schnittstellen und FRMCS-Konformität geachtet werden. Mit einem klaren Migrationspfad und interoperablen Plattformen wird der Systemwechsel zur stabilen Basis für einen modernen, leistungsstarken und zukunftsfähigen Regionalverkehr.
Text: Frequentis/red, Bild: Frequentis



