
Mit der Inbetriebnahme der neuen TINA-Straßenbahnen am 26. August 2026 begann für die GVB eine neue Ära. Die Fahrzeuge werden das Straßenbild Geras in den kommenden Jahrzehnten prägen und zugleich eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des ÖPNV-Angebots bilden.
Acht Jahre von der Idee bis zur Inbetriebnahme
Bereits 2018 begann die GVB mit einer umfassenden Markterkundung. Ziel war es, eine Fahrzeug-Generation zu finden, die optimal zu den Anforderungen des Geraer Straßenbahn-Netzes passt und den Fahrgästen langfristig mehr Komfort und Barrierefreiheit bietet. Es folgte ein mehrjähriger Beschaffungsprozess. Nach der europaweiten Ausschreibung im Februar 2023 erhielt Stadler im November 2023 den Zuschlag. Rund zwei Jahre und vier Monate später, am 5. März 2026, stand die erste TINA – die Abkürzung steht für Total integrierter Niederflurantrieb – in Gera auf den Gleisen.
Moderne Straßenbahnen
Die neuen TINA-Straßenbahnen für Gera sind knapp 44 m lang und 2,4 m breit. Es handelt sich um fünfteilige Einrichtungsbahnen des Typs TINA NGT12G, die aus drei längeren Wagen sowie zwei dazwischen eingesetzten kurzen Sänftenmodulen bestehen. Die drei Wagen laufen jeweils auf zwei Fahrwerken. Jedes Fahrzeugmodul bietet auf der in Fahrtrichtung rechten Seite eine breite Doppeltür, der Endwagen zusätzlich eine einfache Tür. Die Einstiegshöhe beträgt an allen Türen 30 cm über Schienenoberkante, der Wagenboden ist durchgehend niederflurig. In den meterspurigen Bahnen, die eine Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h erreichen, können rund 270 Fahrgäste befördert werden, 100 davon sitzend. Klimatisierte Innenräume mit LED-Beleuchtung, USB-Ladeanschlüsse an den Sitzen sowie große Panorama-Fenster bieten ein deutliches Plus an Komfort. Große Mehrzweckbereiche schaffen Platz für Rollstuhlfahrer und Reisende mit Rollator, Kinderwagen oder Fahrrad. Das Fahrpersonal erreicht seinen Arbeitsplatz durch eine Tür vom Fahrgastraum aus oder eine Extratür vorne rechts. Auf die Mitarbeiter wartet ein ergonomisch eingerichtetes und klimatisiertes Cockpit mit bildschirmgestützter Fahrzeug-Steuerung und bester Rundum-Sicht. Fahrer-Assistenzsysteme erhöhen die Verkehrssicherheit der Fahrzeuge, der Fahrgäste und aller übrigen Verkehrsteilnehmer.
Mit Inbetriebnahme der neuen TINA-Straßenbahnen ersetzt die GVB schrittweise die nicht barrierefreien Tatra-Straßenbahnen. Sobald ausreichend lange Fahrzeuge insbesondere für die Linie 3 zur Verfügung stehen, soll im Jahr 2027 der ganztägige 7,5-Minuten-Takt eingeführt werden. Jede der neuen Straßenbahnen wird künftig jährlich eine Strecke zurücklegen, die etwa zwei Erdumrundungen entspricht. Zunächst sind sechs TINA bestellt, drei weitere optional.
Gemeinsame Investition in die Zukunft
Die GVB investiert rund 49 Mio. Euro in die Beschaffung der neuen TINA-Straßenbahnen. Der Freistaat Thüringen unterstützt die Fahrzeug-Beschaffung mit insgesamt rund 24,9 Mio. Euro. Davon entfallen rund 17 Mio. auf die sechs Fahrzeuge der Basisbestellung, kofinanziert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in der Förderperiode 2021–2027, sowie rund 7,85 Mio. Euro aus Landesmitteln auf die drei Optionsfahrzeuge. Die Stadt Gera beteiligt sich mit Zuschüssen von insgesamt rund 13,5 Mio. Euro – rund 7,2 Mio. für die Basisbestellung und rund 6,28 Mio. für die Optionsfahrzeuge. Die verbleibenden Eigenmittel werden gemeinsam mit den Finanzierungspartnern Deutsche Leasing und Sparkasse Gera-Greiz bereitgestellt.
Text: GVB/Stadler/red, Bild: GVB, Sebastian Lindner, echtbild.com


