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Mobilität, Technik

Heute Shuttle, morgen Lieferfahrzeug

Ein Fahrzeug, viele Funktionen: Das U-Shift-System kombiniert eine fahrende Plattform („Driveboard“) mit austauschbaren Kapseln für unterschiedliche Anwendungen. Nun wurde die neueste Generation am KIT vorgestellt.

23. Juni 2026

Ein autonomes Shuttle mit einer Personenkabine steht vor einer Halle.
Austauschbare Kapseln machen aus einem Fahrzeug je nach Bedarf Shuttle, Lieferfahrzeug oder mobile Service-Einheit.
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Forschende mehrerer Wissenschafts-Einrichtungen in Baden-Württemberg haben im Projekt U-Shift II ein fahrerloses Fahrzeugkonzept, das sich schnell und automatisch an unterschiedliche Aufgaben anpasst, gemeinsam weiterentwickelt. Die neueste Generation des Konzepts wurde am 18. Juni 2026 im Beisein der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) vorgestellt. 

Fahrzeug und Funktion konsequent getrennt

U-Shift II knüpft an frühere U-Shift-Projekte an, in denen das Grundprinzip bereits vorgestellt wurde. Die fahrende Plattform kann selbstständig verschiedene Aufbauten – Kapseln genannt – aufnehmen und wieder absetzen. So kann ein einziges Fahrzeug zum Beispiel morgens Menschen transportieren, mittags Pakete ausliefern und abends als mobile Service- oder Versorgungs-Einheit dienen. Das Konzept, Fahrzeug und Funktion konsequent zu trennen, wurde am Institut für Fahrzeugkonzepte des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und wird am DLR über mehrere Projekte hinweg seit mehreren Jahren kontinuierlich weiter vorangetrieben. „Ein Fahrzeug, das sich flexibel an unterschiedliche Aufgaben anpasst, spart Ressourcen, ist ein Baustein für eine nachhaltige Mobilität und schafft neue Möglichkeiten für den Mobilitätsstandort Baden-Württemberg“, sagte Professorin Kora Kristof, Vizepräsidentin Digitalisierung und Nachhaltigkeit des KIT. 

Ein flaches Driveboard als Herzstück 

Zentrales Element des U-Shift-Systems ist ein flaches Driveboard mit den wesentlichen technischen Komponenten wie dem elektrischen Antrieb mit vier Radnabenmotoren, den Batterien, der Lenkung sowie zentralen Funktionen zur Steuerung, Überwachung und Energieversorgung, die am Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) entwickelt wurden. Das Driveboard fährt selbstständig unter die für die jeweilige Aufgabe passende Kapsel, hebt sie an und verriegelt sie. Menschen müssen nicht eingreifen. „Man kann sich das Prinzip wie bei einem Wechselcontainer vorstellen“, erklärte Dr. Michael Frey vom Institut für Fahrzeug-Systemtechnik (FAST) des KIT. Am FAST entstand das Fahrwerk mit integrierter Hubeinrichtung, die das autonome Aufnehmen und Absetzen der Kapseln ohne zusätzliche Infrastruktur ermöglicht. 

Technik, die sich anpasst

Beim Aufnehmen verbindet sich das Fahrzeug digital mit der Kapsel. „Durch die flexible technische Architektur kann das Fahrzeug seine Funktion je nach Einsatz verändern“, erklärte Professor Eric Sax, Leiter des Instituts für Technik der Informationsverarbeitung (ITIV) des KIT, wo die elektronische und softwarebasierte „Schaltzentrale“ des Fahrzeugs entwickelt wurde. Diese vernetzt und steuert die verschiedenen Fahrzeugfunktionen und Kapseltechnologien miteinander. Funktionen und Sensoren passen sich automatisch an die jeweilige Kapsel an, etwa wenn Personen transportiert oder Güter ausgeliefert werden. Neue Software kann drahtlos aufgespielt werden, ähnlich wie bei einem Smartphone-Update. 

Sicher unterwegs, präzise im Andocken

Mit Sensoren wie Kameras, Radar und Laser erkennt das Fahrzeug seine Umgebung. Das Sensorkonzept sowie die Systeme zur Datenverarbeitung und zur Planung der Fahrbewegungen – die beim Andocken besonders präzise arbeiten müssen – hat die Universität Ulm entwickelt. Gemeinsam mit den am FKFS erarbeiteten Systemen für die Umsetzung dieser Fahrbewegungen gelingen so zentimetergenaue Rangier- und Andockmanöver. Ein am DLR entwickeltes Verriegelungssystem hält die Kapsel während der Fahrt sicher fest.

Starkes Forschungsteam aus Baden-Württemberg

Am Projekt U-Shift II arbeiten das KIT, das DLR, die Universität Ulm und das FKFS zusammen. Projektleitung und -koordination liegen beim DLR. Das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg hat das Projekt mit 10 Mio. Euro gefördert, davon gingen rund 1,7 Mio. Euro an das KIT. 

Text: KIT/red, Bild: Amadeus Bramsiepe, KIT

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