
Am 5. Mai 2026 wurde im Bahnhof Westerland (Sylt) ein ICE L der Deutschen Bahn (DB AG) mit Nordseewasser getauft. Anlass war die offizielle Betriebsaufnahme des Wendezuges, der von Mehrsystem-Lokomotiven des Typs Vectron Dual Mode befördert wird, zwischen Hamburg und Deutschlands größter Nordseeinsel.
Zwei Zugpaare zum Start
Der reguläre Betrieb zwischen Hamburg und Westerland ist am 1. Mai 2026 mit zwei Zugpaaren gestartet. Der neue ICE-L-Gliederzug des spanischen Herstellers Patentes Talgo, S.L.U. ersetzt die bisherigen Intercity-1-Züge, die unter anderem ab Berlin, Köln und Frankfurt (Main) nach Sylt fuhren. Doch das Angebot soll schrittweise wieder ausgebaut werden: Ab 14. Juni 2026, nach Abschluss der Korridor-Sanierung Berlin – Hamburg, wird es wieder eine Direktverbindung von der Hauptstadt nach Sylt mit dem ICE L geben. Ab 11. Juli 2026, dann schon mitten in den Sommerferien, folgt der Einsatz auf weiteren Verbindungen von Frankfurt über Gießen, Kassel und Hannover sowie von Köln über Münster und Bremen nach Hamburg und Westerland. Die ICE L werden von neuen Lokomotiven des Typs Vectron Dual Mode (Baureihe 248) des Herstellers Siemens Mobility GmbH befördert. Bis Itzehoe fahren die Zweikraftmaschinen elektrisch, auf dem nicht elektrifizierten Marschbahn-Abschnitt nach Westerland geht es im Dieselmodus weiter. Auf diese Weise kann in Itzehoe der bisherige Lokwechsel von der Baureihe 101 auf die Baureihe 218 entfallen – und die Aufenthaltszeit im Bahnhof um 10 Minuten verkürzt werden. Zunächst werden die Wendezüge nur gezogen, da der Steuerwagen noch nicht als führendes Fahrzeug zugelassen ist.
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An der Zugtaufe des ICE L, der jetzt den Namen „Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer“ trägt, nahmen die DB-Konzernbevollmächtigte Ute Plambeck, Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) und Nationalparkleiterin Franziska Junge teil. Plambeck sagte: „Die heutige Taufe steht symbolisch für die Verbindung von hohem Reisekomfort und Naturschutz. Das Wattenmeer ist Weltnaturerbe, ein einzigartiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und Sinnbild für unberührte Natur – und als Fahrtziel Natur-Gebiet künftig noch besser mit dem ICE L erreichbar.“ Verkehrsminister Madsen erklärte: „Von diesem neuen Zug profitieren nicht nur Sylt-Gäste, sondern auch die Urlauber in Büsum, Bad St. Peter-Ording und auf den anderen nordfriesischen Inseln. Die direkte Kurswagenanbindung des Fährhafens Dagebüll ist dadurch zwar weggefallen, doch dafür haben wir zwischen Niebüll und Dagebüll einen optimalen Pendelverkehr bestellt, sodass in Niebüll zu jedem ICE ein Anschlusszug nach Dagebüll bereitstehen wird.“ Nationalparkleiterin Junge sagte abschließend: „Die Zugtaufe auf den Namen ‚Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer‘ ist für uns eine besondere Würdigung dieses einzigartigen Naturraums, den wir seit 40 Jahren schützen.“
Hoher Fahrgastkomfort
Neben dem stufenlosen Einstieg von 76 cm hohen Bahnsteigen verfügt der ICE L über zahlreiche Ausstattungsmerkmale für einen verbesserten Reisekomfort. So sorgt das neue Innenraum-Design mit frischen Farben und Materialien für ein angenehmes, wohnliches Raumgefühl. Hinzu kommt eine tageszeitabhängige Lichtsteuerung. Außerdem gibt es viel Platz für Gepäck. Eine echte Neuentwicklung sind die 562 Sitze des Zuges, bei der mehr als 1600 Testpersonen involviert waren. Die Sitze verfügen an allen Plätzen über Steckdosen sowie bei den Reihensitzen über Klapptische und Tablet-Halter. Für einen verbesserten Mobilfunkempfang sorgen neuartige Fensterscheiben, die Mobilfunksignale direkt und ohne Umwege über Repeater in das Wageninnere lassen. Neue Reservierungsanzeigen mit farbigen LED-Leuchten informieren auf einen Blick über reservierte und freie Sitzplätze. Für Reisende im Rollstuhl bietet der Wendezug zusätzlich zum stufenlosen Einstieg in einem Wagen eine breitere Tür sowie elektrisch höhenverstellbare Tische an den Rollstuhlplätzen. Abgerundet wird das Angebot durch einen großen Familienbereich mit 46 Plätzen sowie acht Fahrradstellplätze.
Text: DB AG/red, Bild: Deutsche Bahn (DB AG)/Volker Emersleben


