
Nach der Strecke Hamburg – Berlin ist der Korridor Lehrte – Berlin mit 221 km die zweitlängste Achse, auf der die Infrastruktur gebündelt und gewerkeübergreifend erneuert wird. Der Abschnitt gehört zur wichtigsten Verbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Berlin: Täglich fahren hier mehr als 400 Züge des Nah- und Fernverkehrs und etwa 90 Güterzüge. Mit Blick auf die Bedeutung der Strecke hat die DB InfraGO gemeinsam mit den Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) und den für den Nahverkehr zuständigen Aufgabenträgern das Konzept der Korridorsanierung weiterentwickelt, um die notwendigen Einschränkungen auf ein für alle Verkehrsarten verträgliches Maß zu begrenzen. Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand Infrastrukturplanung und -projekte der DB InfraGO, erklärte am 18. Juni 2026: „Das Konzept der Sanierung aller Anlagen entlang eines Korridors bewährt sich. Im Fall von Lehrte – Berlin elektrifizieren wir die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn abschnittsweise in einem der größten laufenden Elektrifizierungsprojekte Deutschlands. So können Züge während der Sanierung der Schnellfahrstrecke dort entlangfahren. Anders als bei Hamburg – Berlin können wir daher einzelne Abschnitte phasenweise für den Zugverkehr öffnen.“
Umfangreiches Baupensum
Während der Korridorsanierung erneuert die DB InfraGO bis Ende 2027 insgesamt mehr als 175 Weichen, 260 km Gleise sowie 13 km Lärmschutzwände. Außerdem werden 25 Bahnhöfe modernisiert und teilweise barrierefrei ausgebaut, auch Brücken, Durchlässe und Weichenheizanlagen werden ersetzt. Die Oberleitungsanlagen sowie die Leit- und Sicherungstechnik werden einer Instandhaltung unterzogen. Während der Sperrungen saniert die DB InfraGO auf der Schnellfahrstrecke auch die so genannte feste Fahrbahn westlich und östlich von Stendal.
Umsetzung in mehreren Bauphasen
Für die umfangreichen Arbeiten an der Schnellfahrstrecke zwischen Lehrte und Berlin-Spandau sind abschnittsweise Sperrungen erforderlich. Zu Beginn ist von Oktober bis Dezember 2026 der östliche Abschnitt Fallersleben – Berlin-Spandau gesperrt (Bauphase A). Anschließend ist in diesem Abschnitt im Zeitraum von Dezember 2026 bis Oktober 2027 eine eingleisige Befahrung über die parallele Lehrter Stammbahn möglich (Bauphase B). Im westlichen Abschnitt Lehrte – Fallersleben ist von Februar bis Juli 2027 eine Totalsperrung erforderlich (Bauphase C), um hier die gewerkeübergreifenden, gebündelten Sanierungsarbeiten durchzuführen. Die Korridorsanierung endet mit einer Totalsperrung im östlichen Abschnitt Fallersleben – Berlin-Spandau im Zeitraum Oktober bis Dezember 2027 (Bauphase D).
Umleitungen im Fernverkehr und SEV im Nahverkehr
Reisende sollen ihre Ziele durch umgeleitete Züge im Fernverkehr sowie Alternativverbindungen und Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen im Regionalverkehr erreichen. Während der Sperrungen im östlichen Bauabschnitt zwischen Fallersleben und Berlin-Spandau von jeweils Oktober bis Dezember 2026 und 2027 (Bauphase A+D) fahren Fernzüge zwischen Hannover und Berlin eine Umleitung und halten abwechselnd in Braunschweig und Magdeburg. Die Fahrzeit zwischen Hannover und Berlin verlängert sich um 60 bis 80 Minuten. Vier Zugpaare zwischen Amsterdam und Berlin werden über Hamburg umgeleitet, was zu einer etwa 70 Minuten längeren Fahrzeit führt. Zwischen Dezember 2026 und Oktober 2027 (Bauphase B+C) rollen die Fernzüge in Richtung Hannover über die reguläre Verbindung via Wolfsburg, in Richtung Berlin fahren sie weiterhin die Umleitung über Magdeburg.
Nahverkehrszüge werden, wo immer es möglich ist, bis dicht an den gesperrten Streckenabschnitt geführt, sodass den Fahrgästen möglichst die gewohnten Verbindungen auf der Schiene bestehen bleiben. Überall dort, wo kein Verkehr auf der Schiene gefahren werden kann, werden die Regionalzüge durch einen leistungsstarken Ersatzverkehr mit Bussen ersetzt. Die Busverkehre werden in der ersten Bauphase durch das Unternehmen go.on gefahren. Sämtliche Busse sind neuwertig und barrierefrei, mit WLAN und USB-Steckdosen ausgestattet sowie einheitlich in der Farbe Verkehrspurpur gestaltet. Zudem haben sie optische Haltestellenanzeigen im Innenraum sowie automatische, akustische Haltestellenansagen.
Weitere Informationen
Ab Ende Juni können Reisende die Fahrpläne für die erste Bauphase, die bis 12. Dezember 2026 andauert, in den digitalen Auskunftsmedien wie dem DB Navigator oder den Apps der Verkehrsverbünde abrufen. Auch die Website zur Korridorsanierung ist bereits online.
Text: DB AG/red, Bild: Deutsche Bahn AG/Oliver Lang


