
Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) GmbH setzen gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft die Entwicklung autonomer Mobilitätssysteme für den ÖPNV fort. Mit der Sächsischen Initiative Automatisierte Shuttle im ÖPNV (SIAS-ÖV) startet nun ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das den Weg für fahrerlose Shuttle-Busse ebnen soll. Die Europäische Kommission und der Freistaat Sachsen stellen Fördermittel in Höhe von rund 9,5 Mio. Euro bereit. Am 23. März 2026, übergab der Sächsische Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Klimaschutz, Dirk Panter (SPD), die Fördermittelbescheide.
Gesamtsystem aus Fahrzeugen und Infrastruktur
Das Projekt wird von den LVB als Konsortialführer koordiniert. Übergeordnetes Ziel ist die gesamtheitliche Entwicklung eines integrierten Mobilitätssystems für hochautomatisierte Shuttle-Busse der Automatisierungsstufe SAE-Level 4, die perspektivisch ohne Fahrpersonal betrieben werden können. Im Mittelpunkt steht die Integration einer perspektivisch serientauglichen Europäischen Fahrzeuglösung in das Leipziger Ökosystem „autonomer ÖPNV“. Damit wird ein bedeutsamer Schritt in Richtung skalierbares Gesamtsystem aus autonomen Fahrzeugen, digitaler Infrastruktur, Leitstellentechnik und Datenplattformen angegangen. „Mit der Entwicklung des autonomen Fahrens im ÖPNV trägt das Projekt nicht nur zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der beteiligten sächsischen Unternehmen bei, sondern dient gleichzeitig der Anpassung der Gesellschaft an demografische Herausforderungen“, sagte Wirtschaftsminister Panter bei der Übergabe des Förderbescheids.
Mobilität der Zukunft für Stadt und Land
Automatisierte Shuttles gelten als eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs. Sie können maßgeblich dazu beitragen, zentrale Herausforderungen der Branche, wie etwa den zunehmenden Fahrermangel, steigende Betriebskosten sowie veränderte Mobilitätsbedürfnisse, zu lösen. Integriert als Ergänzung bestehender ÖPNV-Systeme sind sie in der Lage, die Teilhabe der Bürger an öffentlicher Mobilität im Sinne der Daseinsvorsorge zu verbessern. Bei der LVB GmbH sollen die Fahrzeuge künftig flexibel eingesetzt werden, beispielsweise für On-Demand-Angebote als Zubringer zu Straßenbahn- und Buslinien. Gerade in suburbanen und ländlichen Regionen können autonome Shuttle dazu beitragen, neue Mobilitätsangebote zu schaffen und die Erreichbarkeit deutlich zu verbessern.
Modellregion für den automatisierten ÖPNV
Mit der Shuttle-Initiative positioniert sich der Freistaat Sachsen zugleich auch als eine der bundesweiten Modellregionen für autonomen öffentlichen Verkehr. Ziel ist es, eine technologische Grundlage zu schaffen, auf deren Basis künftig Pilotprojekte und ein späterer Transfer in den Regelbetrieb ermöglicht werden. SIAS-ÖV stellt dabei den ersten Schritt, die Entwicklung des Funktionsmusters einer automatisiert-vernetzten Mobilitätslösung, dar. Die Projektergebnisse sollen bis Mitte 2028 vorliegen und anschließend als Grundlage für weitere Pilotanwendungen und eine spätere Skalierung automatisierter Shuttle-Verkehre im Freistaat dienen. „Strategisch wollen wir unser beliebtes On-Demand-Angebot Flexa mit autonomen Fahrzeugen zusammenbringen“, erläuterte Ulf Middelberg, Sprecher der Geschäftsführung der LVB. „Weltweit funktioniert Fahren im autonomen ÖPNV bereits millionenfach. Uns hilft SIAS-ÖV, das nach Sachsen zu holen, weil dieses Projekt erstmals ein industrielles Level-4-Shuttle in unser ÖPNV-System bringt.“
Förderung durch Europa und den Freistaat Sachsen
Das Projekt wird im Rahmen der EFRE/JTF-Technologieförderung 2021 bis 2027 des Freistaates Sachsen umgesetzt und aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Mitteln des Freistaats Sachsen unterstützt. Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Innovations- und Wirtschaftsförderung in Sachsen sowie zur Weiterentwicklung nachhaltiger Mobilitätssysteme. Die Shuttle-Initiative vereint ein breites Konsortium, zu dem neben der LVB GmbH die BitCtrl Systems GmbH (Leipzig), die DEKRA Automobil GmbH (Dresden), die glts cotech GmbH (Leipzig), das Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI (Dresden), die IAV GmbH (Chemnitz / Stollberg) und die TU Dresden gehören. Als assoziierter Partner ist zudem das Unternehmen eVersum, Hersteller von elektrischen Shuttles, beteiligt.
Text: Leipziger Gruppe/red, Bild: LVB GmbH


