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Infrastruktur, Mobilität

Leipzig: Rahmenfaktor Hitzeperiode

Nach den Hitzeschäden im Sommer 2026 an der Infrastruktur der Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH (LVB) will das Unternehmen sein Straßenbahn-Netz klimaresilienter gestalten.

23. September 2026

Eine Straßenbahn fährt vor Häusern entlang.
Die Gleise der Leipziger Tram verlaufen über weite Abschnitte im Straßenpflaster, hier am Hauptbahnhof.

Ende Juni 2026 musste der Betrieb auf dem Leipziger Straßenbahn-Netz für mehrere Tage eingestellt werden, da infolge der Sommerhitze aufgeweichte Fugenmasse an den Tramgleisen herausquoll und Gleise, Weichen sowie rund 100 Fahrzeuge verklebte. In der sächsischen Großstadt wurde am 27. Juni 2026 der heißeste Tag des Jahres mit über 40 Grad gemessen – an Schienen und Fugen verzeichnete die LVB teilweise mehr als 70 Grad. Dem Verkehrsunternehmen entstand ein Schaden von bis zu 4,5 Mio. Euro. Erst im Juli konnte das Linienangebot wieder komplett aufgenommen werden. 

Ursächlich waren verschiedene Faktoren

Im Auftrag der LVB führte der TÜV SÜD Rail in den vergangenen Monaten eine visuelle Bestands- und Schadensaufnahme an den Fugen durch, die unterschiedlich alt sind und von verschiedenen Baufirmen hergestellt wurden, prüfte Dokumente der Planungs- und Bauakten und untersuchte das eingesetzte bituminöse Fugenmaterial laboranalytisch. Der am 14. September 2026 vorgelegte Abschlussbericht zeigt, dass es nicht einen Auslöser der Hitzeschäden gab, sondern ein Zusammenspiel verschiedenster Faktoren ursächlich war. Durch die Rekordtemperaturen mit durchgehend tropischer Hitze über mehrere Tage und die Beanspruchung der im Straßenpflaster verlegten Gleise durch den Auto-, Lkw- und Busverkehr kam es zu erheblichen Schäden, die zur Betriebseinstellung führten. Straßenfahrzeuge hatten die herausquellende Fugenmasse zusätzlich auf den Gleisen verteilt. 

Mögliche Lösungen

Mit Blick auf die Anforderungen an Gleislängsfugen empfiehlt der TÜV SÜD Rail weiterhin den Einsatz bituminöser Fugenmasse, eine Qualitäts-Sicherung durch enge Kontrolle beim Einbau sowie Anpassungen für eine klimaresiliente Infrastruktur – beispielsweise sollen die Fugen niedriger unter dem Schienenkopf eingebaut werden. Eine Veredelung der Fugenmasse mit Kunststoff-Granulat, das die Haftung an Reifen und Rädern vermeiden soll, wird derzeit noch untersucht. „Die Untersuchungs-Ergebnisse sprechen für das Zusammenwirken verschiedener Einflussfaktoren. Als wesentlicher Rahmenfaktor gilt die lang anhaltende Hitzeperiode“, fasst Ian Veigl, Inspector und Lead Auditor beim TÜV SÜD Rail, die Erkenntnisse zusammen. Veigl weiter: „Gleichzeitig besteht Potenzial zur weiteren Verbesserung der Einbau-Dokumentation.“

LVB-Hitzeplan wird weiterverfolgt

Bei der LVB sollen die Ergebnisse der Untersuchung nun in Grundsätze für klimaresilientes Bauen sowie eine klimaresiliente Gestaltung der Infrastruktur einfließen. Zudem wird der LVB-Hitzeplan weiterverfolgt: Der zweistufige Plan sieht bei 33 bzw. 38 Grad verschiedenste Maßnahmen zur Überwachung, Kühlung und im Zweifel die Sperrung einzelner Strecken vor. Bereits im Juli wurde der Hitzeplan angewendet und habe sich bewährt, so die LVB. Stefan Röll, Bereichsleiter Infrastruktur der LVB, sagte: „Wir werden uns weiter systematisch mit den Auswirkungen der Klima-Veränderungen auf unsere Infrastruktur beschäftigen, in der Branche austauschen und mit Experten aus Universitäten, Planungsbüros und Baubetrieben Lösungen für unsere Ansprüche entwickeln.“ Ein Großteil der beschädigten Fugen im LVB-Netz soll bis zum Jahresende wiederhergestellt werden, wobei es hierfür zu kurzfristigen Sperrungen kommen kann. 

Text: Leipziger Verkehrsbetriebe GmbH/red, Bild: Regionalverkehr

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