
MAN hat im Rahmen des Projekts MINGA einen Meilenstein erreicht: Gemeinsam mit dem Technologie-Partner ADASTEC automatisierte der Hersteller einen vollelektrischen Stadtbus des Typs Lion’s City 12 E. „Damit machen wir einen weiteren wichtigen Schritt hin zur automatisierten urbanen Mobilität“, sagte Barbaros Oktay, Head of Bus bei MAN Truck & Bus. Im Rahmen des Forschungsvorhabens MINGA (die bairische Dialektform von München) soll die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) das Fahrzeug ab Herbst im Stadtverkehr testen.
Autonomer Pilotbetrieb im Münchner Linienverkehr
In den vergangenen Monaten haben MAN und ADASTEC einen Lion’s City 12 E mit einem Automated Driving System (ADS) ausgestattet und dieses in die Elektronik-Architektur des Fahrzeugs integriert. Damit ist der Bus, der über fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radare, acht Kameras und GNSS (Global Navigation Satellite System) verfügt, technisch in der Lage, automatisiert zu fahren. Aktuell finden erste Erprobungsfahrten auf dem MAN-Gelände statt, bei denen unter anderem spezifische Fahrmanöver wie das Heranfahren an Bushaltestellen getestet werden. Ziel dieser Phase ist die Feinjustierung des Systems, die Gewinnung von wichtigen Betriebsdaten sowie die weitere Optimierung der automatisierten Fahrfunktionen. Im Anschluss an die Erprobung soll der automatisierte Bus im Münchner Straßenverkehr unterwegs sein – zunächst ohne Fahrgäste. Diese Fahrten dienen als finale Testphase unter realen Bedingungen. Im Herbst soll die MVG dann den Pilotbetrieb mit einer geschlossenen Nutzergruppe starten. „Das Fahrzeug wird dabei unter anderem eigenständig lenken, Gas geben, bremsen und blinken. Ein Sicherheitsfahrer ist an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärte Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN, am 23. April 2026. Dabei ist auch vorgesehen, das Feedback der Testnutzerinnen und -nutzer systematisch auszuwerten.
Mehr Sicherheit, weniger Unfälle
Mit dem Einsatz automatisierter Busse verfolgt MAN das Ziel, den ÖPNV der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger zu gestalten. Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Städte und eines zunehmenden Fahrermangels in der Nutzfahrzeug-Branche bieten automatisierte Systeme nach Ansicht des Herstellers großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des ÖPNV-Angebots. „Darüber hinaus kann autonomes Fahren dazu beitragen, Verkehrsunfälle auf den Straßen zu reduzieren und damit die Sicherheit zu erhöhen“, so Roth. Die Erkenntnisse aus dem MINGA-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeug-Generationen ein. MAN arbeitet seit Jahren an fahrerlosen Bussen und plant, in der nächsten Dekade ein vollautomatisiertes Serienfahrzeug auf SAE-Level 4 auf den Markt zu bringen. ADASTEC entwickelt Softwarelösungen für automatisiertes Fahren von Bussen und Nutzfahrzeuge.
MINGA als Schlüsselprojekt für die Mobilität der Zukunft
Das Forschungsvorhaben MINGA, das Ridepooling, automatisierte Busse und Bus-Platoons umfasst, wird seit 2023 mit 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft umgesetzt. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt bis Mitte 2027 mit rund 13 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV). „MINGA ist für uns ein enorm wichtiges Projekt, schließlich ist es ein wesentlicher Schritt im Hinblick auf einen ,Proof of Concept‘ im Linienbetrieb“, sagte MAN-Buschef Oktay und ergänzte: „Nach Abschluss der Konzeptphase sollen Feldversuche mit Kunden starten. Das Interesse von Verkehrsunternehmen an autonomen Bussen ist riesig.“
Text: MAN Truck & Bus/red, Bild: MAN Truck & Bus


