
Im Rahmen eines Marschbahn-Dialogs am 21. April 2026 in Westerland (Sylt) verständigten sich DB-Chefin Evelyn Palla und Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) auf einen 5-Punkte-Plan, um Störungen auf der Strecke Hamburg – Husum – Niebüll – Westerland vorzubeugen und eintretende Störungen schneller abzuarbeiten. Insbesondere zwischen Niebüll und Westerland soll der Regionalexpress durch einen zusätzlichen 15-Minuten-Puffer deutlich pünktlicher werden. Der zweigleisige Ausbau und die Elektrifizierung bleiben ebenfalls mittelfristige Ziele des Plans.
Trassentausch für bis zu 25 % mehr Pünktlichkeit
Einen deutlichen Anstieg der Pünktlichkeit erhoffen sich Land und Bahn durch einen Trassentausch zwischen Regionalverkehr und Autozügen auf dem Abschnitt Niebüll – Sylt. Aufgrund der hohen Auslastung der Strecke und den eingleisigen Abschnitten Niebüll – Klanxbüll sowie Morsum – Tinnum verstärken sich Verspätungen hier bislang sehr schnell. Durch den Tausch erhält der Regionalverkehr zusätzliche Fahrzeitreserven von bis zu 15 Minuten. Diese Puffer ermöglichen es, Verspätungen insbesondere aus Richtung Hamburg, künftig deutlich besser abzubauen. Die Fahrzeit zwischen Niebüll und Westerland bleibt dabei unverändert, allerdings erhöht sich die Reisezeit für Regional- wie Fernverkehr auf der kompletten Marschbahn um 10 bis 15 Minuten. Simulationen zeigen deutliche Verbesserungen in der Pünktlichkeit aus Richtung Süden: So soll die Ankunftspünktlichkeit in Niebüll von rund 78 auf bis zu 96 % und in Westerland von rund 59 auf bis zu 84 % steigen.
Damit profitieren insbesondere Sylt-Pendler sowie Urlauber von einer deutlich höheren Verlässlichkeit. Voraussetzung ist die Bereitstellung zusätzlicher Fahrzeuge und Personale, da DB Regio aufgrund der angepassten Wende- und Fahrzeiten einen Umlauf (Lok und Wagenpark) mehr benötigt. Die Kosten des Vorhabens sollen zwischen Land und DB hälftig geteilt werden. Beide Seiten sind sich einig, dass eine tragfähige Lösung operativ belastbar ausgestaltet und gemeinsam verantwortet werden muss. Der Trassentausch soll spätestens mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2026/27 eingeführt werden und zunächst mindestens bis Ende 2028 laufen.
Optimierte Abläufe: Neues Störfallkonzept verbessert Stabilität
Ergänzend wird ein gemeinsames Störfallkonzept entwickelt und umgesetzt, das alle beteiligten Eisenbahn-Verkehrsunternehmen (EVU) und Instandhaltungs-Bereiche enger verzahnt. Ziel ist, dass sich der Betrieb nach typischen Störungen schneller stabilisiert und Verspätungen sich nicht über Stunden aufschaukeln. Konkret bedeutet das: Für häufige Störungs-Situationen werden klare, vorab abgestimmte Abläufe festgelegt. Dazu kann im Einzelfall auch gehören, Verkehre gezielt zu priorisieren, um den Gesamtverkehr zu stabilisieren. Im Störungsfall können so schneller abgestimmte Entscheidungen getroffen und Auswirkungen für die Fahrgäste spürbar reduziert werden.
Zusätzlich wurden die Material- und Ersatzteilkapazitäten entlang der Strecke ausgebaut und die Instandhaltungs-Standorte in Husum, Niebüll, und Westerland gestärkt, speziell für den Bereich Fahrbahn- und Leit- und Sicherungstechnik. Auch dadurch können Störungen im laufenden Betrieb schneller behoben werden. Aus Sicht des Landes ist entscheidend, dass diese Maßnahmen für die Fahrgäste tatsächlich spürbar werden.
Mehr Kapazität durch zweigleisigen Ausbau
Einigkeit besteht darüber, dass die Kapazitäts-Engpässe auf der Marschbahn mittelfristig nur durch einen durchgehend zweigleisigen Ausbau im Abschnitt Niebüll – Westerland gelöst werden können. Dieser wird derzeit vorbereitet. Ziel ist eine deutliche Erhöhung der Betriebsrobustheit bei gleichbleibender bzw. höherer Geschwindigkeit. Das Projekt befindet sich nach Abschluss der Vorentwurfsplanung in der parlamentarischen Befassung. Die laufenden Planungen werden durch eine (Vor)-Finanzierung durch das Land fortgesetzt. Auch die Elektrifizierung bleibt Teil der Modernisierungs-Strategie für die Marschbahn.
Schlüsselprojekt ESTW Niebüll
Die DB verfolgt schon länger einen integrierten Ansatz aus Investitionen, Instandhaltung und Betriebssteuerung. So wurden zwischen 2019 und 2025 bereits rund 219 Mio. Euro in die Marschbahn investiert, unter anderem in neue Gleise auf 210 km Länge sowie in Weichen, Bahnübergänge und Brücken. Für die Jahre 2026 bis 2030 sind weitere 68,7 Mio. Euro vorgesehen. Zusätzlich fließen bis 2028 rund 144 Mio. Euro in die Leit- und Sicherungstechnik, insbesondere in das neue Elektronische Stellwerk (ESTW) Niebüll, das bis Frühjahr 2028 in Betrieb gehen soll und neun mechanische Stellwerke ersetzt. Auch dies ist ein wichtiger Baustein zu mehr Pünktlichkeit.
Moderne Station Westerland
Mit täglich rund 7.300 Reisenden ist Westerland ein zentraler Knotenpunkt auf der Marschbahn, auch der Bahnhof wird in den nächsten Jahren umfassend modernisiert und zukunftsfähig ausgebaut. Geplant sind unter anderem vollständig erneuerte und verlängerte Bahnsteige, neue bzw. zusätzliche Bahnsteigdächer, die erweiterte barrierefreie Ausstattung (Blindenleitsystem) und Reisenden-Information sowie die Sanierung des Empfangsgebäudes. Die Bauarbeiten im Empfangsgebäude sollen bereits Ende 2026 beginnen, bis 2029 soll der Bahnhof dann rundum modernisiert und die Arbeiten abgeschlossen sein. Land und Bahn finanzieren in gleichen Teilen die Bahnsteig-Maßnahmen. Die Sanierung des Empfangsgebäudes und der erweiterten Ausstattungsmerkmale des Bahnhofs Westerland finanziert die DB mit Bundesmitteln.
Eingeschlagener Weg soll fortgesetzt werden
Sowohl DB-Chefin Palla als auch Ministerpräsident Günther bekräftigten im Anschluss an den Marschbahndialog, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Palla erklärte: „Die Marschbahn braucht einen Neustart – und genau den bringen wir jetzt gemeinsam auf den Weg. Mit dem Trassentausch schaffen wir kurzfristig mehr Pünktlichkeit und Verlässlichkeit für unsere Fahrgäste. Gleichzeitig investieren wir weiter konsequent in Infrastruktur, moderne Stellwerkstechnik und eine stabilere Betriebsführung. Klar ist aber auch: Wir brauchen mehr Kapazität auf der Strecke. Deshalb treiben wir den zweigleisigen Ausbau mit dem Land weiter voran.“ Günther ergänzte: „Durch das Zusammenspiel aus Trassentausch, Investitionen, betrieblicher Stabilisierung und perspektivischem Ausbau soll die Marschbahn schrittweise von einer hoch ausgelasteten und störanfälligen Strecke zu einer verlässlicheren und leistungsfähigen Verkehrsachse werden.“
Text: DB AG/red, Bild: Regionalverkehr


