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Infrastruktur, Mobilität

Niedersachsen: LNVG feiert 30-jähriges Bestehen

Seit 30 Jahren ist die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) in weiten Teilen des Landes für den SPNV verantwortlich. Die Fahrgäste profitieren von mehr und modernen Zügen.

26. Mai 2026

Ein Zug mit Doppelstockwagen steht vor einer Bahnhofshalle an einem Bahnsteig.
Als erster Aufgabenträger in Deutschland hat die LNVG einen eigenen Fahrzeugpool aufgebaut, zu dem unter anderem Doppelstockzüge für stark nachgefragte RE-Linien gehören.
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Ganz große Politik führte 1996 zur Gründung der LNVG. Nach der deutschen Vereinigung ordnete der Bund die Bahnlandschaft neu: Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn wurden zur Deutschen Bahn (DB AG). Dann wurde die Verantwortung für den SPNV den Bundesländern übertragen. Abgesehen von der Region Hannover und dem Gebiet des Zweckverbands Großraum Braunschweig plant, bestellt und bezahlt die LNVG die Nahverkehrsfahrten der Bahngesellschaften im Land.

Mit landeseigenen Triebzügen an die Küste

Die Zukunft kam rund um Osnabrück ins Rollen – hier fuhren Ende des Jahres 2000 die ersten eigenen Züge der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Alte Fahrzeuge der DB AG verschwanden, die private NordWestBahn (NWB) ging im Auftrag der LNVG mit zunächst 23 modernen Triebzügen des Typs Alstom Coradia Lint zwischen Osnabrück, Oldenburg, Esens, Wilhelmshaven und Delmenhorst auf die Strecke. „Die DB hatte überlegt, dort Verbindungen zu streichen“, sagte Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung, am 19. Mai 2026. „Mit den neuen Zügen war die fehlende Nachfrage kein Thema mehr – die Nachfrage wächst dort bis heute.“

Fahrzeugpool im einheitlichen Design

427 blau-weiß-gelbe Lokomotiven, Wagons und Triebzüge prägen heute das Bild der Nahverkehrszüge in Niedersachsen. „Sie sind die sichtbarsten Zeichen unserer Arbeit“, so Schwabl. Die Fahrzeuge gehören der LNVG, sie vermietet sie an die Bahnunternehmen. Die LNVG war der erste Aufgabenträger in Deutschland, der einen Pool eigener Fahrzeuge aufgebaut hat. Schwabl: „So konnten wir schneller für moderne Züge sorgen als viele andere Aufgabenträger, die keine eigenen Züge hatten.“ Dieser Fahrzeugpool der LNVG macht es außerdem möglich, dass sich auch Bahnunternehmen auf Netze in Niedersachsen bewerben, denen keine Fahrzeuge gehören. Laut Schwabl hat sich diese Vorgehensweise bewährt: „Es belebt den Wettbewerb – und das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten viele Millionen Euro Steuergelder gespart haben. Dieses gesparte Geld konnten wir für mehr Zugfahrten, Erneuerung von Bahnhöfen oder andere Projekte investieren.“

Technische Innovationen

Mit den eigenen Fahrzeugen setzt die LNVG Akzente: Bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser (evb) rollen auf der Achse Cuxhaven – Bremerhaven – Bremervörde – Buxtehude die ersten Wasserstoffzüge der Welt. Nach 2040 werden für die LNVG nur noch Züge unterwegs sein, die kein CO₂ mehr ausstoßen, also Wasserstoff-, Batterie- und Elektrofahrzeuge. Die ersten Akkuzüge sollen ab 2031 fahren. 2027 sollen auf dem Express-Kreuz Bremen/Niedersachsen erstmals Doppelstockzüge auf die Strecke gehen, die vom Bahnsteig aus ohne Stufe betreten werden können. Eine Besonderheit: Zwei Triebzüge der LNVG sind bereits dafür ausgerüstet, führerlos auf die Strecke zu gehen. Diese sollen ab Dezember 2029 auf der Strecke Lüneburg – Dannenberg Ost verkehren. Im täglichen Betrieb werden noch eine gewisse Zeit Triebfahrzeugführer das System überwachen und Erfahrung sammeln. Später wird sich das Personal an Bord auf Service für die Fahrgäste konzentrieren können. Für Strecken im sehr ländlichen Raum sind autonome Züge laut LNVG eine echte Chance, das Angebot zu sichern.

Plan für die Zukunft: 240 Mio. Fahrgäste nach 2040

1996 waren in Niedersachsen rund 69 Mio. Fahrgäste im Nahverkehr mit der Eisenbahn unterwegs – 2024 waren es 132 Mio., davon 102 Mio. im Gebiet der LNVG. Dafür haben dichtere Takte und schnellere Züge gesorgt. Rund 600 Mio. Euro bezahlt die LNVG pro Jahr an die Bahngesellschaften für die Zugfahrten im Land. Die Züge fuhren auch während der Corona-Pandemie. „Wir haben keine Züge abbestellt und der Großteil der Züge ist planmäßig gefahren“, so Schwabl. „Uns war sehr wichtig, dass die Fahrgäste, die auf die Züge angewiesen waren, sich auf die Fahrten verlassen konnten.“ Zudem wurden seit Gründung der LNVG 27 Bahnhöfe wiedereröffnet oder neu gebaut, 268 Bahnhöfe wurden modernisiert. Derzeit gibt es in Niedersachsen 382 Stationen, 80 % von ihnen sind barrierefrei. 

Nach 30 Jahren hat die LNVG Pläne für die Zukunft. Schwabl: „Wir halten für die Zeit nach 2040 landesweit 240 Mio. Fahrgäste pro Jahr für realistisch, im LNVG-Gebiet 180 Mio. Dafür wollen wir längere Züge einsetzen und Takte verdichten.“ Dafür sei wichtig, dass der Bund das Streckennetz auf Vordermann bringe und Bahnhöfe ausbaue. Auch wenn sich technisch in dieser Zeit einiges verändern werde, ist sich Schwabl sicher: „Das Ziel unserer Arbeit wird sich nicht ändern. Wir verbinden Menschen.“

Text: LNVG/red, Bild: Regionalverkehr

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