
Auf der Nebenbahn von Lüneburg West nach Soltau sollen wieder Züge fahren: Die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen mbH (LNVG), Aufgabenträger für das SPNV-Angebot in weiten Teilen des Landes, hat die Leistungen auf der künftigen RB 39 nach einer europaweiten Ausschreibung an die erixx GmbH vergeben.
erixx startet mit eigenen Fahrzeugen
Auf dem „Salzexpress“, so der Arbeitstitel für die eingleisige Strecke, werden täglich 13 bis 18 Zugpaare im Stundentakt verkehren. Zwischen Lüneburg West und Soltau halten die Züge in Lüneburg Universität, Rettmer, Melbeck-Embsen, Amelinghausen, Soderstorf und Bispingen. Für die 57 km lange Strecke sind rund 50 Minuten veranschlagt. Die Fahrzeuge muss erixx selbst bereitstellen, außerdem ist das Unternehmen für deren komplette Instandhaltung verantwortlich. Da die eingleisige Nebenbahn bislang nicht elektrifiziert ist, wird es sich um Fahrzeuge mit Dieselantrieb handeln – laut erixx will man eigene Alstom Coradia Lint 41 einsetzen. Pro Jahr sind rund 690.000 Zug-km zu erbringen. Der Verkehrsvertrag beginnt im Dezember 2028 und endet im Dezember 2033, eine Verlängerung um bis zu zwei Jahre ist möglich. „Wir freuen uns über den Start der neuen Verbindung, rund 3000 Fahrgäste pro Tag bekommen hier ein attraktives Angebot“, sagte Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung, am 20. August 2026. „Wir wünschen erixx allzeit gute Fahrt.“ Das Unternehmen mit Sitz in Celle konnte sich gegen zwei Mitbewerber durchsetzen.
Emissionsfreie Akkuzüge ab 2033
Ab 2033 will die LNVG auf der RB 39 neue Züge mit Akku-Antrieb einsetzen – diese fahren nicht nur emissionsfrei und deutlich leiser als die Dieseltriebzüge, sie sind auch spurtstärker und können so geringe Verspätungen leichter wieder ausgleichen. Vor dem Einsatz der Akkuzüge sollen die SPNV-Leistungen auf dem Salzexpress aber erneut ausgeschrieben werden. Hierfür wird die RB 39 unter anderem mit der RB 37 (Bremen – Soltau – Uelzen) und der RB 38 (Hannover – Soltau – Hamburg-Harburg) im neuen „Netz Heidekreuz“ gebündelt. Damit die Akkuzüge rollen können, muss unter anderem in Soltau eine so genannte Oberleitungsinsel gebaut werden, an der die Züge während der Wendezeit ihre Energiespeicher nachladen können.
Nebenbahn mit 113-jähriger Geschichte
Die Bahnstrecke Lüneburg – Soltau, die mitten durch die Lüneburger Heide führt, wurde am 13. Juni 1913 von der Kleinbahn Lüneburg–Soltau GmbH eröffnet. Sie ging in den 1940er Jahren zusammen mit weiteren Strecken in der Osthannoversche Eisenbahnen AG (OHE) auf. Zwischen 1975 und 1977 endete der reguläre Personenverkehr zwischen Lüneburg und Soltau, seither verkehren hier nur noch Güter- und Museumszüge. Die OHE befand sich bis Ende 2006 im Staatsbesitz, ehe sie im Rahmen eines Privatisierungsverfahrens an die heutige Netinera Deutschland GmbH veräußert wurde. Zum 1. Januar 2022 wurde das verbliebene Streckennetz der OHE von der neu gegründeten Schieneninfrastruktur Ost-Niedersachsen GmbH (SInON) übernommen, die sich im Besitz des Landes Niedersachsen befindet. Bei der OHE in Celle, Mutterkonzern der erixx GmbH und unter anderem an den metronom-Verkehren beteiligt, verblieben die Betriebswerke. Unter Regie der SInON wird die Strecke Lüneburg – Soltau modernisiert und mit neuen Haltepunkten ausgestattet.
Der Name Salzexpress nimmt Bezug auf einen Salzstock unter dem Lüneburger Boden: Über 1000 Jahre lang prägte das „weiße Gold“ die Stadt, die im Mittelalter zu einer einflussreichen Hansestadt aufstieg, bis die Saline im Jahr 1980 den Betrieb einstellte.
Text: LNVG/OHE/red, Bild: Regionalverkehr


