
Mit einem großen Fest wurde am 11. September 2015 – vor genau zehn Jahren – die 30 km lange „Untere Edertalbahn“ von Frankenberg (Eder) über Herzhausen nach Korbach reaktiviert. Der reguläre SPNV war am 30. Mai 1987 eingestellt worden – in den folgenden Jahren fuhren nur noch vereinzelt Güterzüge, und zwischen Frankenberg und Herzhausen – gelegen am Ederstausee – rollten an Wochenenden zeitweise Ausflugszüge. Ende der 1990er Jahre wurde erstmals über eine Wiederaufnahme des täglichen Personenverkehrs nachgedacht, die Bemühungen scheiterten aber aus Kostengründen.
Durchgehende Züge zwischen Marburg und Brilon Wald
Erst Ende der Nullerjahre änderten sich die Rahmenbedingungen für eine Wiederinbetriebnahme des Abschnitts Frankenberg – Korbach. Im benachbarten Nordrhein-Westfalen wurde nicht nur die kurze Strecke von Brilon Wald nach Brilon Stadt reaktiviert, man richtete außerdem die neue Regionalexpress-Linie RE 57 Dortmund – Brilon Stadt ein. Fortan bestanden in Brilon Wald gute Anschlüsse in Richtung Sauerland und Ruhrgebiet, von denen auch die bestehende Bahnstrecke Korbach – Brilon Wald profitierte. Da lag es nahe, über die Untere Edertalbahn auch Frankenberg anzubinden, und schon wenig später wurde in der Region über durchgehende Züge zwischen Marburg (Lahn), Frankenberg, Herzhausen, Korbach und Brilon Wald gesprochen. 2011 kündigte der Landkreis Waldeck-Frankenberg an, Geld für die Wiederinbetriebnahme des Teilstücks Herzhausen – Korbach zur Verfügung zu stellen. Daraufhin prüfte der NVV die Wirtschaftlichkeit einer Reaktivierung – die mit einem Wert von über 1 positiv ausfiel. Anfang Juli 2012 sprach sich der NVV für eine Wiederinbetriebnahme der Unteren Edertalbahn aus, die von der Deutschen Bahn (DB AG) und dem Land Hessen beschlossen wurde. Nachdem auch der Landkreis Waldeck-Frankenberg dafür stimmte, war die Reaktivierung beschlossene Sache.
Umfangreiche Bauarbeiten
Auf Basis einer Betriebskonzeption des NVV ertüchtigte die DB-Tochter Kurhessenbahn als Infrastrukturbetreiberin ab dem 30. Juni 2014 die Strecke zwischen Frankenberg und Korbach. Innerhalb von 15 Monaten entstanden unter anderem barrierefreie Stationen in Goßberg, Ederbringhausen, Vöhl-Schmittlotheim, Herzhausen und Thalitter samt Bike+Ride- und Park+Ride-Anlagen. Daneben wurden Stützbauwerke und Durchlässe sowie Brücken instandgesetzt oder erneuert, außerdem sanierte man den 93 m langen Itter-Tunnel sowie den 200 m langen Großen Itter-Tunnel. An neun Bahnübergängen wurden neue technische Sicherungen gebaut und Signalanlagen angepasst oder erneuert. Hinzu kamen neue Buswendeschleifen in Herzhausen, Schmittlotheim und Ederbringhausen mit barrierefreien Profilbeton-Sonderbord-Haltestellen. Die Kosten für diese Maßnahmen betrugen rund 22 Mio. Euro, von denen das Land Hessen rund zwei Drittel trug. Die restlichen Kosten teilten sich auf den Landkreis Waldeck-Frankenberg, die Kurhessenbahn und den NVV auf.
Durchgehende Züge
Am 11. September 2015 wurde die Untere Edertalbahn offiziell wieder in Betrieb genommen und am 12. und 13. September mit einem großen Streckenfest, bei dem auch Dampfzüge fuhren, der Öffentlichkeit übergeben. Der planmäßige Personenverkehr begann am 14. September 2015. Heute verkehren hier die durchgehenden Linien RE 97 und RB 97 Marburg – Frankenberg – Korbach– Brilon Wald, die täglich weitgehend im Stundentakt unterwegs sind. Lediglich vormittags wird zwischen Frankenberg und Korbach nur zweistündlich gefahren.
Fahrgastzahlen haben sich verdoppelt
Rasch wuchsen die Fahrgastzahlen zwischen Frankenberg und Korbach auf mehr als 340.000 Nutzer pro Jahr an. Die durchschnittliche Besetzung von montags bis freitags mit mehr als 400 Reisenden lag bereits 2015 deutlich höher als der Prognosewert von 250, der als langfristiger Entwicklungshorizont der Fahrgastzahlen auf diesem Streckenabschnitt angenommen wurde. Zu Spitzenzeiten an Wochenenden sind täglich mehr als 700 Fahrgäste unterwegs. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 347.733 Fahrgäste befördert. Im Fokus stehen dabei nicht nur die täglichen Wege zur Arbeit, Schule und Ausbildung, sondern die Reisen zu touristischen Zielen wie dem Edersee, dem Nationalpark Kellerwald-Edersee oder in das Skigebiet Willingen (zwischen Korbach und Brilon Wald), die seitdem mit der Bahn komfortabel zu erreichen sind.
Kreuzungsbahnhof in Frankenberg-Viermünden
Besonders die Fertigstellung des Kreuzungsbahnhofs in Frankenberg-Viermünden Ende 2017 hat zum Anstieg der Fahrgastzahlen beigetragen. Seitdem sind die Züge auch nachmittags stündlich unterwegs und bieten eine attraktive Alternative zum Auto. Der Nationalpark Kellerwald-Edersee wurde dank der reaktivierten Bahnstrecke zum „Fahrtziel Natur“ der DB AG. Mit dem Nationalparkbahnhof Herzhausen kam ein echtes Aushängeschild dazu, das im Herzen der Strecke liegt und als Mobilitätsknoten wahrgenommen wird. NVV-Geschäftsführer Marian Volmer sagte am 6. September 2025: „Die Reaktivierung der Strecke zwischen Korbach und Frankenberg zeigt eindrucksvoll, dass die Menschen bereit sind, auf den ÖPNV umzusteigen, wenn Qualität und Angebot stimmen.“
Kuchen zum „Geburtstag“
Der NVV und die Kurhessenbahn feiern das zehnjährige Bestehen der reaktivierten Strecke gemeinsam mit den Fahrgästen: Am 11. und am 14. September 2025 werden in den Zügen sowie in den Kundenzentren Frankenberg und Korbach an alle Fahrgäste kleine Geburtstagskuchen verteilt. Zudem weisen Plakate in den Kundenzentren und Triebzügen auf die erfolgreiche Wiederinbetriebnahme hin.
Text: NVV/red, Bild: Regionalverkehr


