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Infrastruktur, Mobilität

ProvinzNETZ: Kurze (Rad-)Wege im ländlichen Raum

Können Radwege Dörfer besser miteinander verbinden? Wie lassen sich alltägliche Ziele auf dem Land auch ohne Auto erreichen? Fragen wie diese stehen im Zentrum des Projekts „ProvinzNETZ“ der Universität Kassel.

20. März 2026

Ein Fahrrad steht auf einem Radweg, der unter Bäumen entlangführt.
Dörfer sollen durch attraktive Radverkehrs-Verbindungen miteinander quervernetzt werden.
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Während der Radverkehr in deutschen Städten deutlich an Bedeutung gewonnen hat, stehen ländliche Räume weiterhin vor erheblichen strukturellen Herausforderungen: Die Entfernungen zwischen Ortschaften sind häufig groß, Radwege zwischen Dörfern sind lückenhaft oder nicht vorhanden, und der ÖPNV ist nur eingeschränkt verfügbar. Infolgedessen sind viele Menschen selbst für kurze Alltagswege stark auf den Pkw angewiesen. Gleichzeitig zeigen nationale Studien, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung auf das Fahrrad umsteigen würde, sofern die Infrastruktur sowie die Verknüpfung mit dem öffentlichen Verkehr verbessert würden.

Ein ländliches 15-Minuten-Netz

Vor diesem Hintergrund wurde das Projekt ProvinzNETZ initiiert. Hierbei arbeitet die Universität Kassel mit der Technischen Hochschule Wildau und der Bürgerinitiative geRADeWEGs im Landkreis Gotha (Thüringen) mit dem Ziel zusammen, Dörfer durch Radwege zu vernetzen, um die Erreichbarkeit in ländlichen Regionen zu verbessern. Das Projekt knüpft an das Konzept der „15-Minuten-Stadt“ an, in der alltägliche Ziele innerhalb von 15 Minuten zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem ÖPNV erreichbar sind und überträgt diesen Ansatz auf ländliche Gemeinden. Hierbei rückt die Quervernetzung von Dörfern in den Fokus. Entfernungen von bis zu 5 km lassen sich insbesondere mit E-Bikes innerhalb von 15 Minuten zurücklegen und bilden damit die Grundlage für ein ländliches „15-Minuten-Netz“. Damit sollen durch sichere und attraktive Radwege zwischen Dörfern lokale Versorgungsangebote, gesellschaftliche Teilhabe und die Lebensqualität insgesamt gestärkt werden. Prof. Dr. Angela Francke, Leiterin des Fachgebiets Radverkehr und Nahmobilität an der Universität Kassel, erklärt: „Ländliche Regionen benötigen Mobilitätslösungen, die ihren räumlichen und sozialen Gegebenheiten gerecht werden. Mit ProvinzNETZ untersuchen wir, wie interkommunale Radverkehrs-Infrastruktur die Erreichbarkeit und Lebensqualität jenseits urbaner Zentren systematisch verbessern kann.“

Entwicklung eines praxisorientierten Werkzeugkastens

Untersucht werden sowohl eine Modellregion im Landkreis Gotha sowie mehrere Vergleichsregionen in Deutschland. Auf Basis empirischer Analysen, Fachworkshops und der Einbindung relevanter Akteure wird ein praxisorientierter „Werkzeugkasten“ für Kommunen entwickelt, der Planungsstrategien, Empfehlungen zur Zusammenarbeit und Organisation sowie übertragbare Umsetzungsleitlinien für Radverkehrsnetze im ländlichen Raum umfasst. Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, bürgerschaftlichem Engagement und interkommunaler Zusammenarbeit möchte ProvinzNETZ aufzeigen, wie aktive Mobilität zu einem zentralen Treiber nachhaltiger Entwicklung in ländlichen Regionen werden kann.

Kollaborativer Forschungsansatz

Die Technische Hochschule Wildau übernimmt die Koordination des Projekts ProvinzNETZ, die Universität Kassel verantwortet insbesondere Arbeitspakete zu Mobilitätsverhalten sowie zu Erreichbarkeits-Analysen. Ein besonderes Merkmal des Projekts ist die enge Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative geRADeWEGs, die sich im Landkreis Gotha seit mehreren Jahren für interkommunale Radverkehrs-Verbindungen einsetzt. Deren lokale Expertise, zivilgesellschaftliches Engagement und praktische Erfahrung bilden eine zentrale Grundlage für das Forschungsvorhaben. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) fördert das Projekt ProvinzNETZ im Rahmen des Nationalen Radverkehrsplans 2030 (NRVP 3.0). Es läuft von November 2025 bis Oktober 2028.

Text: Universität Kassel/red, Bild: Regionalverkehr

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