
Nach Abschluss des Nachprüfungsverfahrens zur Ausschreibung der Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd (SBSNS-II) der Berliner S-Bahn ist am 8. Juli 2026 der rechtskräftige Zuschlag an das Bieterkonsortium aus S-Bahn Berlin GmbH, Siemens Mobility und Stadler Deutschland erteilt worden. Damit kann der Herstellungsprozess für die neuen S-Bahn-Fahrzeuge – insgesamt vierteilige 350 Halbzüge mit 1400 Wagen – beginnen. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hat die Länder in diesem Prozess als Vergabestelle unterstützt und wird auch künftig das Vertrags-Management durchführen.
Neuer Verkehrs- und Instandhaltungsvertrag
Betriebsaufnahme und Einflottung der neuen S-Bahnen starten zum Jahresbeginn 2032 und werden planmäßig 2038 abgeschlossen sein. Die Neufahrzeuge ersetzen in beiden Teilnetzen die Einheiten der Bestandsbaureihen 480 und 481. Der Verkehrsvertrag über die Betriebsleistungen wird für einen Zeitraum von 15 Jahren geschlossen. Hinzu kommt ein Instandhaltungsvertrag mit einer Laufzeit von 30 Jahren über die gesamte Lebensdauer der neuen Züge. Die Instandhaltung erfolgt in Bestandswerkstätten der S-Bahn Berlin GmbH, darunter das Werk in Schöneweide. Alle entsprechenden Werkstätten werden für die Wartung der neuen Fahrzeuge ertüchtigt. Zudem wird ein neues S-Bahn-Instandhaltungswerk in Fredersdorf-Vogelsdorf errichtet, um die Wartung der erweiterten Flotte zu gewährleisten.
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Auf einer Pressekonferenz am 16. Juli 2026 stellten Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), Vertreter des beauftragten Konsortiums sowie die Geschäftsführungen des VBB und der S-Bahn-Berlin den Projektstart der Öffentlichkeit vor. Bonde sagte: „Mit der Zuschlagserteilung für die Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd machen wir den nächsten großen Schritt zur Modernisierung der Berliner S-Bahn. Die 350 neuen Halbzüge kommen nicht nur den Fahrgästen auf diesen Strecken zugute – sie legen zugleich den Grundstein dafür, das Angebot mit der weiter steigenden Fahrgastnachfrage und der Inbetriebnahme neuer Strecken auszubauen.“ Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsführung der DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH, führte aus: „Die Freude bei der S-Bahn Berlin ist riesig – die endgültige Vergabe schafft eine langfristige Perspektive für unsere über 3000 Kolleginnen und Kollegen. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir dafür sorgen, dass die Fahrzeuge für unsere Fahrgäste verlässlich, pünktlich, sicher und sauber am Bahnsteig stehen werden.“ Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident der Stadler Rail AG, ergänzte: „Die neuen Züge werden dort gebaut, wo sie fahren: in Berlin. Unsere Fahrzeuge haben sich auf dem Ring über mehr als 120 Mio. km bewährt – genau dieses Konzept entwickeln wir nun gemeinsam mit unseren Partnern für das gesamte Netz weiter. Für Stadler ist dieser Auftrag ein klares Bekenntnis zur Fertigung in der Hauptstadtregion. Ich danke den Ländern Berlin und Brandenburg für ihr Vertrauen.“
Weiterentwickeltes Fahrzeugkonzept
Die nun bestellten Fahrzeuge sind eine Weiterentwicklung der aktuell neuesten Baureihe 483/484, die von Siemens und Stadler für das Ringnetz der Berliner S-Bahn geliefert worden sind. Für die neue Ausschreibung der Teilnetze Stadtbahn und Nord-Süd haben die beiden Hersteller dieses erprobte Fahrzeugkonzept konsequent weiterentwickelt: mit einem modernen Führerstand, aktualisiertem Brandschutz sowie Cybersicherheit nach neuesten Anforderungen. Der zuverlässige und bereits energiesparende Antrieb der S-Bahn-Züge wurde weiter optimiert und setzt hinsichtlich der Energieeffizienz über die gesamte Nutzungsdauer neue Maßstäbe. Das markante Design der Fahrzeuge bleibt dabei erhalten.
Mehr Komfort für die Fahrgäste
Die neuen S-Bahnen werden sich durch mehr Komfort und Barrierefreiheit auszeichnen. Ein optimiertes helles Innenraumkonzept von Stadler bietet mehr Flexibilität für unterschiedliche Fahrgastbedürfnisse: Der neu gestaltete Mehrzweckbereich umfasst unter anderem einen Rollstuhlstellplatz, einen Sitzplatz für kleinwüchsige Personen sowie zusätzliche Möglichkeiten für Begleitpersonen mobilitätseingeschränkter Fahrgäste. Für angenehme Temperaturen an Bord sorgt eine von Stadler vollständig neu konzipierte Klimaanlage mit umweltfreundlichem Kältemittel ohne Halogene. Die neueartige Kaltwasser-Technologie erfüllt höchste Komfort-Anforderungen und kühlt den Innenraum zuverlässig auch bei hohen Temperaturen. An jedem zweiten Sitzplatz ist ein USB-C-Ladeanschluss vorgesehen.
Vorausschauende Instandhaltung
Mit dem Einsatz von Railigent X von Siemens Mobility wird die Instandhaltung der neuen S‑Bahnen über die gesamte 30-jährige Vertragslaufzeit hinweg über eine zentrale digitale Plattform für datenbasierte Instandhaltung und Betrieb gesteuert. Durch die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastruktur und Train-IT sowie die kontinuierliche Analyse von Zustandsdaten ermöglicht das System eine vorausschauende Instandhaltung und optimierte Instandhaltungs-Prozesse. Der Railigent Fleet Manager überwacht den Fahrzeugzustand in Echtzeit, analysiert Betriebsdaten und unterstützt die Erstellung von Arbeitsaufträgen, um eine vorausschauende Instandhaltung zu ermöglichen. Dadurch können potenzielle Störungen frühzeitig erkannt, die Zuverlässigkeit erhöht und die Verfügbarkeit der Flotte nachhaltig verbessert werden. Wartungsprozesse werden digital geplant und gesteuert – von Material- und Asset-Management bis hin zur Personalplanung –, was die Effizienz steigert und die Instandhaltungskosten reduziert. Ergänzende Cybersecurity Services wie Software Maintenance und Vulnerability Monitoring sorgen für einen sicheren Betrieb der Systeme und Fahrzeuge.
Text: VBB/Siemens/Stadler/red, Bild: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben


