
Eine vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie kommt zu dem Schluss, dass die Reaktivierung und Elektrifizierung der Eisenbahn-Strecke Bitterfeld – Zörbig – Stumsdorf, die auch als „Saftbahn“ bezeichnet wird, wirtschaftlich sinnvoll sein kann. Die Gutachter schätzen die Kosten dafür auf zirka 130 Mio. Euro. Davon könnten 90 % durch das Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungs-Gesetz (GVFG) vom Bund gefördert werden. Bei einer Reaktivierung der Strecke würden neue Stationen am Chemiepark Bitterfeld, in Sandersdorf, Großzöberitz und Zörbig entstehen.
Integration ins S-Bahn-Netz
Dr. Lydia Hüskens (FDP), Ministerin für Infrastruktur und Digitales des Landes Sachsen-Anhalt, stellte die Studien-Ergebnisse zusammen mit den Projektpartnern am 19. Februar 2026 in Zörbig vor. „Damit ist ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg zur Reaktivierung der Strecke getan“, sagte Hüskens. Nun müsse sich im Ergebnis der anschließenden Detailplanungen zeigen, ob das Vorhaben insbesondere mit Blick auf die Finanzierbarkeit praktisch umsetzbar sei. Untersucht wurden insgesamt vier verschiedene Varianten. Ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,14 haben die Gutachter dabei nur für eine besonders umfassende Variante ermittelt: Die Saftbahn müsste nicht nur auf voller Länge reaktiviert, sondern auch stündlich in die Linie S 2 der S-Bahn Mitteldeutschland integriert werden, sodass die durchgehende Verbindung Leipzig – Bitterfeld – Zörbig – Stumsdorf – Köthen (im Verlauf der Strecke Halle (Saale) – Magdeburg) angeboten werden kann. Die Experten weisen zudem darauf hin, dass eine Strecken-Geschwindigkeit von mindestens 80 km/h sowie eine Elektrifizierung der Saftbahn notwendig seien, um die Relation für Fahrgäste attraktiv zu gestalten. Rund 31.000 Menschen könnten bei Umsetzung des Projekts neu an das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz angebunden werden.
Weitere Planung zusammen mit den EIU
„Die Reaktivierung von Bahnstrecken ist eine Möglichkeit, um Kapazitätsengpässe zu beseitigen, die Zuverlässigkeit des Schienenverkehrs zu erhöhen und zentrale Verbindungen zu beschleunigen“, führte Ministerin Hüskens aus. „Voraussetzung ist stets ein nachgewiesener verkehrlicher und volkswirtschaftlicher Nutzen. Dann kann die Finanzierung überwiegend über Bundesmittel gestemmt werden, während die Spielräume des Landes begrenzt sind.“ Für die weiteren Planungsschritte schließe die Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA), die den SPNV im Auftrag des Landes plant und bestellt, eine Vereinbarung mit den beteiligten Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen (EIU) ab. Die rund 20 km lange Saftbahn wird auf dem 15 km langen Abschnitt Bitterfeld – Zörbig von der kommunalen Zörbiger Infrastrukturgesellschaft mbH (ZIG) für den Güterverkehr vorgehalten, das 5 km lange Reststück nach Stumsdorf gehört der ENON GmbH & Co. KG (Putlitz).
Hintergrund
Seit dem 28. September 2002 rollen keine Personenzüge mehr zwischen Bitterfeld und Stumsdorf, im Juli 2004 endete auch der Güterverkehr. Auf Betreiben der Stadt Zörbig konnte der Streckenabschnitt Bitterfeld – Zörbig im August 2005 zumindest für den Güterverkehr wieder in Betrieb genommen werden. Die Entwicklung der Region ließ zunehmend auch mögliche Perspektiven im SPNV erkennen. Politiker der Region und viele Bürgerinnen und Bürger setzen sich daher seit Jahren für eine Reaktivierung der Strecke ein – nicht zuletzt deshalb, weil die angrenzenden Straßen dauerhaft überlastet sind. 2024 beauftragte die NASA GmbH die Machbarkeitsstudie, die das mögliche Potenzial einer Reaktivierung erfassen sollte. Sie wurde im Verlauf des letzten Jahres durch das Ingenieurbüro Transport Consult GmbH (PTV) und die Transport Technologie Consult durchgeführt. Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Machbarkeitsstudie gibt es hier.
Text: NASA/red, Bild: AdobeStock/Andreas Gruhl



