
Elf Tage nach dem tödlichen Angriff auf einen DB-Mitarbeiter in einem Regionalzug in Rheinland-Pfalz haben sich Spitzenvertreter von Bund, Ländern, DB und der Verkehrsbranche auf einen „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ verständigt. Zu dem „Sicherheitsgipfel“ am 13. Februar 2026 in Berlin hatte die DB-Vorstandsvorsitzende Evelyn Palla geladen. Konkrete Schritte zur Umsetzung der Ergebnisse sollen bis Ende April 2026 vereinbart werden.
DB setzt kurzfristig diverse Maßnahmen um
Bei der Deutschen Bahn (DB AG) bekommen bereits im Lauf des Jahres 2026 alle Mitarbeitenden mit Kundenkontakt im Nah- und Fernverkehr sowie an den Bahnhöfen Bodycams zur Verfügung gestellt; die Nutzung soll freiwillig sein. Außerdem sollen 200 zusätzliche Kräfte der DB Sicherheit auf Bahnhöfen eingesetzt und die Schutzausrüstung von DB-Mitarbeitenden verbessert werden. Damit das DB-Personal im Ernstfall schneller Hilfe bekommt, wird der schon vorhandene Hilferufknopf („Prio-Ruf“) weiter ausgerollt und auch weiterentwickelt. Darüber hinaus führt die Bahn in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei regionale Sicherheit-Werkstätten durch, um Sicherheits-Konzepte vor Ort anzupassen. Ferner sollen DB-Mitarbeitende noch mehr in Verhaltens- und Deeskalations-Trainings geschult werden. So gilt bei DB Regio bei der Fahrschein-Kontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung. Ab 1. März 2026 liegt es zudem im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticket-Kontrolle einen Ausweis vorzeigen muss.
Die Bundespolizei setzt ihre Maßnahmen zur Bekämpfung der Gewaltkriminalität auf dem Gebiet der Bahnanlagen des Bundes uneingeschränkt fort. Bundespolizei und DB-Sicherheit gewährleisten eine hohe Sichtbarkeit, schnelle Intervention in Notfall-Situationen sowie eine zielgerichtete Unterstützung in den Bahnhöfen und entlang der Strecke. Die bewährte 25-jährige Ordnungspartnerschaft zwischen DB und Bundespolizei wird fortentwickelt.
Konkrete Handlungs- und Prüffelder im Aktionsplan
Der gemeinsame „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ wird durch konkrete Handlungs- und Prüffelder ergänzt. Grundsätzlich soll die Videoüberwachung in Zügen und an Bahnhöfen ausgebaut werden. Auch die Nahverkehrszüge sollen mit mehr Personal besetzt werden – mit diesem Thema wird sich Ende März die Verkehrsministerkonferenz befassen. Beim Deutschland-Ticket entfällt künftig die Ausweis-Kontrolle, um kritische Situationen zu verringern. Die Bundesländer wollen das Ticket dafür noch fälschungssicherer machen, auch das ist Thema auf der Verkehrsministerkonferenz. Außerdem soll der strafrechtlichen Schutz von Mitarbeitenden gestärkt werden, damit Angriffe auf sie besser geahndet werden können. Dies wollen die beteiligten Bundesministerien in das laufende Verfahren zur Anpassung des Strafgesetzbuchs einbringen.
Zahl der Übergriffe auf hohem Niveau
Dass DB-Mitarbeitende genau wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste mehr Aggressivität zu spüren bekommen, zeigen bisher unveröffentlichte Zahlen für das vergangene Jahr. Bei Fahrkarten-Kontrollen, bei der Durchsetzung des Hausrechts sowie nach Großveranstaltungen kam es immer wieder zu verbalen und tätlichen Übergriffen. So gab es 2025 konzernweit 3262 körperliche Übergriffe (versuchte sowie vollendete) auf DB-Mitarbeitende. Auch wenn dies im Vergleich zum Vorjahr ein leichter Rückgang ist, blieb die Zahl der Übergriffe insgesamt auf einem sehr hohen Niveau: Sie ist in den letzten zehn Jahren um 37 % gestiegen (2016: 2374 Übergriffe). Besonders deutlich war der Anstieg in der Corona-Pandemie im Jahr 2021. Schwere und gefährliche Körperverletzungen bilden dabei die Ausnahme und machen lediglich 1 bis 2 % der Fälle aus.
Kommentare
DB-Chefin Evelyn Palla sagte auf dem Sicherheitsgipfel: „Unser Anspruch ist klar: Sicherheit braucht eine klare Haltung – personell, technisch und rechtlich. Deshalb handeln wir entschlossen und setzen mit konkreten Maßnahmen ein deutliches Zeichen für mehr Sicherheit im Bahnverkehr.“ Der bayerische Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, ergänzte: „Als Aufgabenträger im SPNV treibt uns Länder das Thema Sicherheit immens um. Wir unterstützen Modelle einer sicherheitsorientierten Personalpräsenz in den Nahverkehrszügen. Über zusätzliche sinnvolle Möglichkeiten werden wir bereits im März auf der nächsten Verkehrsministerkonferenz sprechen.“
Text: DB AG/red, Bild: Deutsche Bahn AG/Volker Emersleben


