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Infrastruktur, Technik

Stadler: Neues Kundenzentrum in Hennigsdorf

Hennigsdorf wird zu einem der modernsten Inbetriebsetzungs-Standorte Europas: Im neuen Stadler-Kundenabnahmezentrum werden Züge unter der Spannung ihres späteren Einsatzlandes geprüft.

8. Juni 2026

Luftaufnahme von zwei Hallen, in die Gleise hineinführen.
Am neuen Stadler-Standort in Hennigsdorf entstehen 128 zukunftssichere Arbeitsplätze.
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Wenn ein neu gebauter Stadler-Zug künftig zum ersten Mal unter Strom geht, passiert das in Hennigsdorf. Nordwestlich von Berlin hat der Schweizer Schienenfahrzeug-Hersteller am 4. Juni 2026 die Halle 1, das Kundenabnahmezentrum, feierlich eingeweiht. 

Komplette Inbetriebsetzung

Damit ist die zweite von fünf Etappen abgeschlossen, mit denen Stadler den Standort bis 2027 zum vollwertigen Inbetriebsetzungszentrum (IBS) ausbaut. Errichtet wird der Standort vom Bauunternehmen S&V als Generalunternehmer. In Hennigsdorf werden künftig alle Züge betriebsbereit gemacht, die im benachbarten Stadler-Werk in Berlin-Pankow gefertigt werden. Die Inbetriebsetzung umfasst alles zwischen der Montage und der Übergabe an den Kunden: Bordsysteme hochfahren, Hard- und Softwaretests im Stand und während der Fahrt, statische und dynamische Abnahmen. In Hennigsdorf kann dies künftig für mehrere Großaufträge parallel laufen. Mit dem neuen IBS bündelt der Hersteller zudem Aktivitäten, die bislang am IBS-Standort Velten angesiedelt waren. 2023 erwarb Stadler das rund 46.000 m2 große Grundstück in Hennigsdorf – einem Ort, der seit über 100 Jahren für den Schienenfahrzeugbau steht und nur wenige Kilometer vom Fertigungswerk in Berlin-Pankow entfernt liegt. Das Investitionsvolumen beträgt rund 40 Mio. Euro.

360-Grad-Blick für Zug-Kunden

Die jetzt eröffnete Halle 1 ist als Kundenabnahmezentrum auf das Herzstück des Geschäfts zugeschnitten: die finale Übergabe der Züge an die Kunden. Sie ist 3360 m2 groß, rund 183 m lang und hat drei Hallengleise, zwei davon mit durchgehender Grubenwanne und Seitengrube. Drei technische Lösungen machen sie besonders.

  • Feste Dacharbeitsstände bringen Personal und Kundinnen und Kunden ohne mobile Bühnen direkt auf Wagendachhöhe – dorthin, wo Stromabnehmer, Klima- und sogar Bremsanlagen geprüft und vorgeführt werden. Das beschleunigt die Abnahmen und erhöht die Arbeitssicherheit.
  • Eine eigene Oberleitung in der Halle – erstmals in einem Stadler-Werk in Deutschland – spannt sich über drei Hallengleise. Damit kann jeder Zug schon in der Halle, lange vor der ersten Fahrt im Freien, unter realer Fahrleitungsspannung gestartet, geprüft und gemeinsam mit dem Kunden begutachtet werden.
  • Das Herzstück des Standorts ist die Mehrspannungs-Versorgungsanlage (MSVA). Sie gleicht die große Vielfalt im Bahnstromnetz Europas aus: Während etwa Deutschland, Österreich und die Schweiz überwiegend mit 15 kV bei 16,7 Hz fahren, nutzen andere Länder wie Frankreich oder Spanien 25 kV bei 50 Hz. Auch im städtischen Verkehr gibt es Unterschiede: U‑Bahnen werden meist über Stromschiene und mit abweichender Spannung betrieben, ebenso Straßenbahnen mit eigenen Systemen. Mit der MSVA lassen sich Stadler-Züge unter all diesen Bedingungen testen.

Drei weitere Etappen bis 2027

Die Eröffnung der Halle 1 ist die zweite Etappe von insgesamt fünf. Vorangegangen war 2024 die Planungsphase nach dem Grundstückskauf 2023. Die nächsten Schritte:

  • Ab 2026, Etappe 3: Sanierung und Erweiterung der Bestandshalle 3 mit festen Dacharbeitsständen, neuer Krananlage und Mittelgruben in allen Gleisen; im Anbau entstehen 14 Büroarbeitsplätze.
  • Ab 2027, Etappe 4: Sanierung der Bestandshalle 2 für die Inbetriebsetzung am Fahrzeug und die Fertigstellung.
  • Ab 2027, Etappe 5: Bau der 744 m langen Außengleisanlage mit Oberleitung.

Nach dem Vollausbau verfügt der Standort über insgesamt 1437 m Hallengleis und 744 m Teststrecke im Freien.

Kommentare

„Mit Hennigsdorf bauen wir einen unserer wichtigsten Standorte in Europa auf – und zwar genau dort, wo unsere Züge gebaut werden. Kürzere Wege, schnellere Übergaben, mehr Kapazität für unsere Kunden“, sagte Josef Köcher, CEO Stadler Deutschland GmbH. „In dieser Halle können wir jeden Stadler-Zug unter exakt der Spannung seines späteren Einsatzlandes prüfen. So geben wir den 128 Kolleginnen und Kollegen, die hier künftig arbeiten, die beste Infrastruktur dafür. Wir freuen uns besonders, in dieser Region zukunftsfähige Arbeitsplätze zu schaffen, um so gemeinsam die Verkehrswende in Europa zu gestalten“, führte Jürgen Graba, Leiter Inbetriebsetzung & Gewährleistung Stadler Deutschland GmbH, aus. „Hennigsdorf steht seit über hundert Jahren für den Schienenfahrzeugbau“, ergänzte Thomas Günther, Bürgermeister von Hennigsdorf. „Die Ansiedlung passt sehr gut in unser Profil als innovativer Industriestandort.“

Text: Stadler/red, Bild: Stadler

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