
9,86 Mrd. Fahrgäste nutzten nach Berechnungen des Branchenverbands VDV im Jahr 2025 die Angebote des deutschen Nahverkehrs auf Straße und Schiene. Das ist ein leichter Zuwachs um 0,8 % im Vergleich zum Vorjahr. „Steigende Fahrgastzahlen sind eine gute Nachricht“, sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann auf der Jahrespressekonferenz des Branchenverbands am 27. Januar 2026 in Berlin. Wortmann weiter: „Es wäre mehr Wachstum möglich, wenn wir nicht durch den schlechter werdenden Zustand unserer Infrastrukturen, den Problemen bei der Beschaffung und Zulassung von Fahrzeugen sowie zu viel Bürokratie bei der Rekrutierung von neuem Personal an Qualität und Zuverlässigkeit verlieren würden.“
Ministerien lehnen Modernisierungs-Pakt ab
Mit dem Ergebnis des letzten Jahres ist der VDV daher nur in Teilen zufrieden. „Unser Anspruch ist es, gute Mobilitätsangebote für möglichst viele Menschen zu liefern. Doch dafür braucht es die passenden politischen Rahmenbedingungen“, so der VDV-Präsident. Konkret meint Wortmann damit die nach wie vor offene Frage, wann die Bundesregierung den im Koalitionsvertrag angekündigten ÖPNV-Modernisierungs-Pakt endlich angeht. Und auch bei der Weiterentwicklung des Regionalisierungs-Gesetzes gibt es noch keine erkennbaren Fortschritte. Der VDV hat dem Bundesverkehrsminister entsprechende Vorschläge unterbreitet. Wortmann: „Eine Realisierung des Modernisierungs-Pakts lehnen das Bundesfinanz- und das Bundesverkehrsministerium bislang unter Hinweis auf fehlende zusätzliche Finanzmittel ab, da sie insbesondere finanzielle Forderungen der Länder und Kommunen befürchten.“ Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV dürfe aber keine politische Verhandlungsmasse sein. Sie sei wesentlich für die täglich 24 Mio. Fahrgäste überall im Land, in den Ballungszentren und ländlichen Räumen. Wortmann: „Uns ist bewusst, dass dabei alle Beteiligten ihren Beitrag leisten müssen. Die Verkehrsunternehmen und Verbünde stehen bereit, um die notwendigen weiteren Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer nachhaltigen Produktivitäts-, Effizienz- und Qualitäts-Steigerung im deutschen ÖPNV führen, wenn dazu die notwendigen politischen Rahmenbedingungen geschaffen sind.“
Änderungen im GVFG erforderlich
Der VDV sieht vor allem in der bereits begonnenen vierten Änderung des Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungs-Gesetzes (GVFG) einen geeigneten Hebel, um schnell mit konkreten Maßnahmen in den Modernisierungspakt zu starten. Das GVFG sei nach Ansicht des Verbands eine Erfolgsgeschichte des Bundes zur direkten Förderung von ÖPNV-Modernisierung in den Kommunen. Es eigne sich daher sehr gut, um zum Ausgangspunkt eines ÖPNV-Modernisierungs-Programms der aktuellen Bundesregierung zu werden. Der Verband schlägt im Kontext der GVFG-Änderungen folgende Maßnahmen vor:
- Streichen des Enddatums 2030 sowie der Nachrangigkeit für die Förderung von Grunderneuerung von Verkehrswegen der Straßenbahnen, Hoch- und Untergrundbahnen sowie Bahnen besonderer Bauart und der Grunderneuerung von Verkehrswegen der nichtbundeseigenen Eisenbahnen,
- Streichen des Enddatums 2030 sowie der Nachrangigkeit und von Vorhaben zum Erreichen von Klimazielen,
- Förderung der Digitalisierung und Automatisierung von Verkehrswegen inklusive der On-Board-Units in den Fahrzeugen,
- Förderung der Erneuerung und Ertüchtigung öffentlicher Schutzräume (nicht nur Neubau) – finanziert aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern im Rahmen der Bereichsausnahme und damit nicht zulasten des Verkehrsetats,
- Erhöhung der jährlichen Dynamisierungsrate von heute 1,8 % und Kopplung an einen Kostenindex für Baupreise, um die steigenden Kosten für den Bau der Verkehrs-Infrastruktur auszugleichen.
Erneut keine Kündigungswelle beim D-Ticket
Genau ein Jahr nach der ersten Preiserhöhung wurde das Deutschland-Ticket zum 1. Januar 2026 erneut teurer. Die aktuelle Erhöhung von 58 auf jetzt 63 Euro pro Monat hat nach Angaben der Branche auch diesmal nicht zu einer Kündigungswelle geführt. Während die Kündigungsquote nach der Preiserhöhung 2025 bei rund 8 % lag, liegt sie mit aktuell 5,75 % deutlich unter dem Vorjahreswert. „Wir sehen auch in diesem Jahr eindeutig keine Kündigungswelle durch die Preiserhöhung beim Deutschland-Ticket“, so VDV-Präsident Wortmann. Das sei gut und wichtig für die nach wie vor durch sinkende Ticketpreise angespannte Einnahme-Situation der Branche. Wortmann weiter: „Es muss uns künftig gemeinsam mit Bund und Ländern gelingen, Stabilität bei der Gesamt-Finanzierung des Deutschland-Tickets zu gewährleisten, damit wir die weiteren Potenziale dieses Angebots heben können. Dazu braucht es insgesamt eine auskömmliche Finanzierung aus den öffentlichen Haushalten, den bereits zwischen den Verkehrsministern vereinbarten Preisindex und die Weiterentwicklung einer bundesweiten, fairen Einnahme-Aufteilung.“ Insgesamt nutzten zum Jahresende 2025 rund 14,6 Mio. Menschen das D-Ticket. 74 % davon waren Standard D-Tickets, 15 % Jobtickets und 11 % Semestertickets.
Personalkosten steigen deutlich, Produktivität sinkt
Auf der Kostenseite waren 2025 vor allem die erneut deutlich steigenden Personalkosten ein wesentlicher Faktor, der die Branche wirtschaftlich weiter unter Druck gesetzt hat. Im Vergleich zu anderen großen Kostenblöcken im ÖPNV, wie etwa Strom und Diesel, die zum Teil nur moderat gestiegen oder gar leicht gesunken sind, sind die Personalkosten innerhalb des letzten Jahres um 5 % deutlich gestiegen. Gleichzeitig, das zeigt eine aktuelle Untersuchung aus der Branche, ist die Produktivität im Fahrdienst, also die Verfügbarkeit der Fahrpersonals, in den vergangenen Jahren stark gesunken. Die Untersuchung führt dies auf „eine Reduzierung von tarifvertraglichen Arbeitszeiten und eine Steigerung der Abwesenheitszeiten“ zurück. „Wir wollen gute Löhne zahlen und für gute Arbeitsbedingungen sorgen“, unterstrich Wortmann. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass die Verfügbarkeit und die Einsatzzeiten immer weiter sinken. Allen Beteiligten müsse – auch im Rahmen von Tarif-Verhandlungen – bewusst sein, dass ein leistungsstarker ÖPNV nur möglich ist, wenn die starke Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern weiterhin aufrecht erhalten bleibt. „In wirtschaftlich sehr angespannten Zeiten der Kommunen und der Branche müssen alle ihren Beitrag dazu leisten, damit der ÖPNV ein guter Arbeitgeber bleibt, wir zugleich aber als Mobilitäts-Dienstleister für unsere Gesellschaft unseren Auftrag bestmöglich erfüllen können“, sagte der VDV-Präsident abschließend.
Text: VDV/red, Bild: Regionalverkehr



