
Im November 2025 testete das Verkehrsunternehmen vhh.mobility, das mit zirka 800 Bussen in der Metropolregion Hamburg unterwegs ist, einen Doppelstockbus im regulären Fahrgastverkehr. Der Dreiachser vom Typ Enviro500 des britischen Herstellers Alexander Dennis Limited (ADL) kam zwei Wochen lang auf der Linie X80 Hauptbahnhof / ZOB – Bahnhof Bergedorf zum Einsatz. Insgesamt legte das von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) entliehene Fahrzeug rund 1980 km zurück. Inzwischen liegen die Ergebnisse der Fahrgast-Befragung vor.
Was die Reisenden überzeugt hat
Die Resonanz auf den großen gelben Doppeldecker aus Berlin ist sehr positiv: Von den 1086 Fahrgästen, die befragt wurden, sprachen sich 92 % für einen dauerhaften Einsatz von Doppeldeckern im Linienbetrieb aus. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen deutlich, warum der Doppeldecker in Hamburg so gut ankommt: Neben dem großzügigen Raum- und Sitzplatz-Angebot, das lobend hervorgehoben wurde, kam auch die gute Aussicht hervorragend an. Viele Fahrgäste zeigten sich zudem begeistert von der Möglichkeit, mehr Personen gleichzeitig zu ihrem Zielort zu bringen und trotzdem nicht mehr Straßenraum zu belegen. Auf die Frage „Welche Eigenschaft gefällt Ihnen besonders am Doppeldecker?“ gaben 27 % der Befragten an, dass ihnen der Blick vom Oberdeck besonders gefallen habe. Weitere 25 % lobten das Platzangebot im Doppeldecker, und 20 % aller Befragten zeigten sich begeistert von der Vielzahl der Sitzplätze
Für viele Fahrgäste war die Mitfahrt ein echtes Erlebnis und sorgte für Abwechslung. Immerhin 27 % der Teilnehmer*innen sind aus Neugier mitgefahren. 17 % wollten Hamburg einfach mal anders erleben. Hervorzuheben ist dabei, dass Vielfahrer*innen – also Menschen, die die Linie X80 fast täglich nutzen – den Doppeldecker genauso positiv bewerteten wie Gelegenheitsfahrgäste. Auf die Frage „Was hat Ihnen nicht gut gefallen?“ nannte fast jede zweite befragte Person (45 %) die Antwort „keine Anmerkung (alles ok)“. Auf dem zweiten Platz nannten 8 % der Befragten „die geringe Deckenhöhe“ und am dritthäufigsten mit 7 % „zu warm“.
Was hat vhh.mobility aus dem Test gelernt?
„Wir freuen uns sehr über das positive Feedback unserer Fahrgäste“, sagte Lorenz Kasch, Geschäftsführer von vhh.mobility, am 29. Dezember 2025. Kasch weiter: „Es bestätigt unseren Eindruck: Doppeldecker sind ein neues Produkt für Hamburg, das potenziell den ÖPNV noch attraktiver macht und gleichzeitig Infrastruktur entlasten kann. Wir prüfen nun im Detail, unter welchen konkreten Rahmen-Bedingungen ein Einsatz elektrischer Doppeldecker wirtschaftlich und betrieblich sinnvoll erscheint.“ Die Basis dafür ist die parallel zur Fahrgast-Befragung durchgeführte betriebliche Auswertung zum Einsatz des Doppelstockbusses. 2026 soll ermittelt werden, auf welchen Linien und in welchen Gebieten der Einsatz derartiger Busse sinnvoll sein könnte. Wichtige Parameter, die zu berücksichtigen sind, wären beispielsweise das individuelle Fahrgast-Aufkommen auf einer Strecke, die Straßen-Verhältnisse – also ob eine Strecke über Land oder durch die Innenstadt führt – und mögliche Höhen-Einschränkungen durch Brücken. Eine kurzfristige Beschaffung von Elektro-Doppeldeckern stuft die vhh.mobility allerdings als nur als bedingt realistisch ein – als Gründe hierfür werden mehrjährige Lieferzeiten, eine derzeit unklare Beschlusslage zu Fördermitteln für E-Busse auf Bundesebene sowie nötig werdende Anpassungen der Infrastruktur genannt. Das Leihfahrzeug aus Berlin war mit einem Dieselmotor ausgestattet.
Nicht der erste Doppeldecker
Beim gelben Enviro500 von der Spree handelte es sich nicht um den ersten Doppelstockbus bei der vhh.mobility: Bereits Mitte der Nullerjahre setzte das Unternehmen einen besonders komfortablen Reise-Doppeldecker der Daimler-Marke Setra auf der Schnellbus-Linie 31 zwischen Hamburg und Lauenburg (Elbe) ein. Hier konnte sich das Fahrzeug aber nicht lange behaupten und wurden stattdessen auf die Linie von Hamburg zum Flughafen Lübeck-Blankensee verlegt.
Text: vhh.mobility/red, Bild: vhh.mobility/Wolfgang Köhler



