
Europas Industrie ist auf einen leistungsfähigen Güterverkehr auf der Schiene angewiesen. In einem veränderten geopolitischen Umfeld gewinnt die Schiene zudem für Europas Handlungsfähigkeit in Krisenzeiten an Bedeutung. „Ohne eine leistungsfähige Schiene wird Europa seine industrielle Wettbewerbsfähigkeit nicht stärken können. Digitalisierung und Automatisierung sind entscheidende Hebel, um seine Produktivität zu erhöhen“, sagte Dirk Hoke, President & CEO der Voith Group, am 22. September 2026.
Vom manuellen Kuppeln zum digital vernetzten Güterzug
Güterwagen werden in Europa bis heute vielfach manuell mit Schrauben-Kupplungen verbunden. Zugbildung und Rangierprozesse sind entsprechend zeit- und personalintensiv. Die Digitale Automatische Kupplung (DAK) ist ein zentraler Baustein für die Digitalisierung des Güterzugs. Mit CargoFlex hat Voith eine DAK-Lösung entwickelt, die nicht nur das mechanische Kuppeln automatisiert, sondern zugleich Energie- und Daten-Verbindungen zwischen den Wagen herstellt. Damit wird aus dem analogen Güterwagen ein digital vernetzter Wagen – und aus vielen vernetzten Wagen ein intelligenter Güterzug. Automatisierte Prozesse, von der Bremsprobe bis zur Zustandsüberwachung, werden so möglich.
CargoFlex wird bereits im kommerziellen Güterverkehr eingesetzt. Seit 2019 ist die Kupplung in der Schweiz im Regelbetrieb im Einsatz – insgesamt wurden hierfür 230 Güterwagen und 25 Loks ausgerüstet. Damit ist die CargoFlex die einzige DAK-Lösung mit einer mehrjährigen, kommerziell erprobten Einsatzhistorie im europäischen Schienen-Güterverkehr. Müslüm Yakisan, CEO Voith Turbo Rail & Marine, erklärte: „Eine besondere Herausforderung ist die Integration der DAK in Lokomotiven, da diese flexibel in unterschiedlichen Verkehren einsetzbar bleiben müssen. Mit CargoFlex bringen wir unsere System- und Integrations-Kompetenz ein und schaffen die Voraussetzungen für die digitalen Funktionen des Güterzugs.“
Jetzt entscheidet die Skalierung
Die technologische Entwicklung der DAK ist weit fortgeschritten. Für die europaweite Migration müssen rund 900.000 Kupplungen für Güterwagen sowie rund 46.000 Kupplungen für etwa 23.000 Lokomotiven umgerüstet werden. Bei den Lokomotiven ist die technische Integration besonders anspruchsvoll. Dafür braucht es Interoperabilität, einen verlässlichen Migrationspfad und Investitionssicherheit.
Mit dem im September gestarteten Förderprogramm für DAK-Pionierzüge hat das Bundesministerium für Verkehr die nächste Phase der Erprobung eingeleitet. Die Pionierzüge sollen das Zusammenspiel von Kupplung und digitalen Zugfunktionen unter realen Betriebsbedingungen erproben und damit einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur europaweiten Migration ermöglichen. Voith-Chef Hoke kommentierte: „Europa hat die Technologien und die industrielle Kompetenz. Technologieführerschaft allein reicht aber nicht. Entscheidend für unsere Wettbewerbsfähigkeit ist, wie schnell wir Innovationen in die Anwendung bringen. Europa muss auch bei der industriellen Skalierung führend sein.“
Im Rahmen der Eröffnung der InnoTrans haben Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und Apostolos Tzitzikostas, EU-Kommissar für nachhaltigen Verkehr und Tourismus, am 21. September 2026 den Voith-Stand besucht. Im Mittelpunkt des Austauschs standen die Digitalisierung des Schienengüterverkehrs und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche europaweite Skalierung.
Text: Voith Group/red, Bild: Voith Group



