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Infrastruktur, Mobilität

VRR: Hochleistung angekündigt, Alltag enttäuschend

Zwei Wochen nach Beginn der Generalsanierung zwischen Köln, Wuppertal und Hagen zieht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) eine kritische Zwischenbilanz zum Schienenersatzverkehr (SEV).

23. Februar 2026

Ein Triebzug steht an einem Bahnsteig.
Abwechselnde Voll- und Teilsperrungen rund um Wuppertal beeinträchtigen auch die S 7 nach Solingen.
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Vom 6. Februar bis 10. Juli 2026 wird die rund 65 km lange Strecke Köln Hbf – Wuppertal Hbf – Hagen Hbf generalsaniert. In dieser Zeit ist die Verbindung voll oder teilweise für den Zugverkehr gesperrt, die Reisenden müssen auf Ersatzbusse umsteigen. Zwei Wochen nach Beginn der Bauarbeiten zieht der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) als SPNV-Aufgabenträger eine kritische Zwischenbilanz zum Schienenersatzverkehr (SEV). 

Strukturelle Mängel

Der von DB InfraGO organisierte SEV bleibt in der täglichen Umsetzung deutlich hinter dem Anspruch zurück, den der VRR und die anderen Aufgabenträger an einen SEV stellen – erst recht an den angekündigten Hochleistungs-Ersatzverkehr. Die Busunternehmen stellen die Lage zwar als „grundsätzlich stabil“ dar und verweisen auf nur punktuelle Probleme. Rückmeldungen aus eigenen Befahrungen, dem Einsatz von Testpersonen, aus Fahrgast-Meldungen und Presseberichten zeichnen jedoch ein deutlich anderes Bild, so der VRR. „Ein SEV ist nur so gut wie seine Organisation und seine Kommunikation. Beides überzeugt aktuell an zu vielen Stellen nicht“, sagte Oliver Wittke, Vorstandssprecher des VRR, am 20. Februar 2026. Wittke weiter: „Wir reden nicht über Kinderkrankheiten, sondern über wiederkehrende, strukturelle Mängel, die die Verlässlichkeit für die Fahrgäste spürbar beeinträchtigen. Wenn ein Ersatzverkehr in dieser Größenordnung nicht zuverlässig funktioniert, leidet nicht nur der Alltag der Menschen – es sinkt auch die Akzeptanz für die notwendigen großen Bauprojekte und Generalsanierungen, die in den kommenden Jahren nicht nur in NRW, sondern bundesweit zu erwarten sind. Wer Einschränkungen zumutet, muss Verlässlichkeit liefern.“

Vier gravierende Mängel

Aus Sicht des VRR sind vor allem vier Punkte akut:

  • Personalmangel und fehlende Auskunftsfähigkeit: Wiederholt berichten Fahrgäste und VRR-Prüfer, dass Fahrpersonal nicht ausreichend auskunftsfähig ist – teils nicht einmal zum eigenen Linienverlauf. Hinzu kommen krankheitsbedingte Ausfälle, wodurch Umläufe entfallen – besonders in der Hauptverkehrszeit. Wittke: „Wenn ganze Fahrten morgens ausfallen, ist das kein Randproblem, sondern trifft Pendlerinnen und Pendler mit voller Wucht.“
  • Fahrzeugmangel und Kapazitäts-Abweichungen: Insbesondere bei DB Regio Bus kommt es zu Ausfällen durch Fahrzeug-Schäden und fehlende Reserven. Gleichzeitig werden auf nachfragestarken Linien weiterhin Solobusse eingesetzt, obwohl Gelenkbusse gefordert sind – besonders kritisch stellt sich die Situation auf der SEV-Strecke des RE 13 Venlo – Mönchengladbach – Düsseldorf – Wuppertal – Hagen – Hamm dar. Über alle SEV-Linien hinweg liegt die Ausfallquote konstant zwischen 3,5 und 5 % – für einen Hochleistungs-SEV ist das nicht akzeptabel.
  • Fehlende Ortskenntnis: Busse verfahren sich, fahren falsche Routen oder bleiben an bekannten Engstellen hängen. Das kostet Zeit, erhöht die Störanfälligkeit und verursacht zusätzliche Fahrzeugschäden – ein direkter Verstärker für den Fahrzeugmangel. Wittke betonte: „Wer SEV fährt, muss Strecke und Knoten kennen. Das ist nicht ‚nice to have‘, das ist Basis.“
  • Unzureichende Fahrgast-Information: Zu häufig sind Außenanzeigen nicht aktiviert, Informationen vor Ort sind unklar oder nicht konsistent, und Echtzeitdaten stehen nur eingeschränkt zur Verfügung – das erschwert die Orientierung und führt zu Verunsicherung bei den Fahrgästen. Hinzu kommt: Unzureichende Transparenz über die tatsächlich erbrachte Leistung behindern zusätzlich die Möglichkeit, Schwachstellen zu erkennen und nachzubessern. Gerade bei Großbaustellen müssen Planung, Abstimmung, Umsetzung und laufendes Nachsteuern eng verzahnt funktionieren – und die Fahrgast-Information muss als Qualitätskern verstanden werden.

Wirksames Maßnahmenpaket gefordert

Der VRR fordert daher umgehend ein wirksames Maßnahmenpaket, bestehend aus einer robusten Reserve-Planung für Personal und Fahrzeuge, nachweislichen Schulungen (Liniennetz, Ortskenntnis), konsequentem Einsatz der vereinbarten Bus Typen – insbesondere Gelenkbusse auf nachfragestarken Linien –, durchgängig funktionierenden Außen- und Innenanzeigen sowie einem klar organisierten Haltestellen-Management. Wittke abschließend: „Die Fahrgäste müssen sich auf den Ersatzverkehr verlassen können. Genau das ist das Ziel – und genau daran werden wir die nächsten Tage messen.“

Text: VRR/red, Bild: Regionalverkehr

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