
Künftig sollen batterie-elektrische Triebzüge auf Tauber-, südlicher Maintal- und Madonnenlandbahn fahren. Die Strecken gehören zum Netz der DB-Tochter Westfrankenbahn, dass durch Baden-Württemberg und Bayern verläuft. „Wir bringen Akkuzüge ins Taubertal und in den Odenwald“, sagte die baden-württembergische Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU) am 2. November 2026. „Das Land zahlt die Planung komplett. Wir tun das, weil wir möchten, dass es mit diesem zukunftsweisenden Projekt vorangeht.“ Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) ergänzte: „Die Umstellung der Westfrankenbahn auf klimafreundliche Antriebe ist ein Musterbeispiel für die Zusammenarbeit von Baden-Württemberg und Bayern. Wir haben bereits die Planungen für die Elektrifizierung der Strecke Aschaffenburg – Miltenberg beauftragt. Diese sind optimal mit den Planungen auf baden-württembergischer Seite abgestimmt. Im elektrifizierten Bahnhof Miltenberg können künftig die Züge Richtung Baden-Württemberg ihre Akkus aufladen.“
Vertrag für die Planung unterschrieben
Das Landesverkehrsministerium in Baden-Württemberg hat jetzt einen Planungsvertrag unterzeichnet. Partner sind die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH Westfrankenbahn und die DB Energie GmbH. Der Vertrag umfasst die drei Strecken Crailsheim – Bad Mergentheim – Lauda – Wertheim (Tauberbahn), Wertheim – Miltenberg (Maintalbahn) und Miltenberg – Seckach (Madonnenlandbahn). Die Westfrankenbahn gibt nun die ersten beiden Planungsschritte in Auftrag: Im Rahmen der Grundlagen-Ermittlung und Vorplanung wird geprüft, was technisch nötig ist, außerdem werden diverse Varianten miteinander verglichen. Die Vorplanung soll 2029 fertig sein, nahtlos in die weiteren Planungsschritte und dann in die Realisierung des Projekts übergehen. „Der Planungsstart ist ein starkes Signal für die DB RegioNetz Westfrankenbahn und die Menschen in unserer Region. So machen wir unser Netz moderner, zuverlässiger und attraktiver für unsere Fahrgäste“, sagte Denis Kollai, Geschäftsleiter Infrastruktur und Sprecher der Geschäftsleitung Westfrankenbahn.
Aufladen unter dem Fahrdraht
Akkuzüge fahren elektrisch, brauchen aber keine durchgehende Oberleitung. Sie laden ihre Batterien unter Fahrdraht und fahren dann mit Strom aus dem Akku weiter. Dafür sollen auf der südlichen Tauberbahn rund 23 km mit Fahrdraht versehen werden. Diese Oberleitung machen etwa 15 % des betroffenen Teilnetzes der Westfrankenbahn aus, das rund 170 km über alle drei Strecken umfasst. Das bedeutet, dass 85 % des Netzes per Akku befahren werden.
Eine neue Oberleitung erhält nur die südliche Tauberbahn – hier befindet sich mit 60 km der längste, nicht elektrifizierte Abschnitt, der von Crailsheim über Bad Mergentheim bis nach Königshofen reicht. Nach jetzigem Stand sind ein bis zwei Abschnitte mit Oberleitung vorgesehen, von Königshofen mindestens bis Bad Mergentheim und – falls erforderlich – von Crailsheim in Richtung Satteldorf. Die genauen Teilstücke werden im Rahmen der Vorplanung festgelegt. Die übrigen Streckenabschnitte erhalten keine neue Oberleitung, weil es dort jeweils an den Start- bzw. Endbahnhöfen bereits eine Oberleitung gibt, und die Strecken auf den Zwischenabschnitten mit Akku befahren werden können. Ein Beispiel dafür ist die Madonnenlandbahn von Miltenberg nach Seckach: Sie ist rund 40 km lang, mit Oberleitungen in Miltenberg (im Parallelprojekt „Elektrifizierung und Ausbau der Maintalbahn“ wird die nördliche Maintalbahn bis Miltenberg vollständig elektrifiziert) und Seckach, sodass die Akkuzüge die ganze Strecke ohne Zwischenladung befahren können. Die Züge werden beim Wenden geladen, was rund zehn Minuten dauert.
Schneller, öfter, barrierefrei
Das Vorhaben umfasst deutlich mehr als „nur“ neue Oberleitungen. Die Westfrankenbahn plant unter anderem abschnittsweise Geschwindigkeits-Erhöhungen auf bis zu 120 km/h, neue Begegnungsbahnhöfe, neue elektronische Stellwerke und den barrierefreien Ausbau von Stationen. Nach der Fertigstellung sollen zwei Linien im Stundentakt fahren, sodass zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim im Kern ein Halbstundentakt entsteht. Auch am Wochenende sollen deutlich mehr Züge unterwegs sein.
Text: VM Baden-Württemberg/red, Bild: Deutsche Bahn AG/Claus Weber



