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Infrastruktur, Mobilität

Wunderline nach Brücken-Neubau wieder in Betrieb

Am 5. Oktober 2026 wurde die Wunderline Groningen – Bad Nieuweschans – Winschoten (NL) – Leer (Ostfriesl) nach elf Jahren im Personenverkehr reaktiviert. Gefahren wird stündlich.

8. Oktober 2026

Ein Gleis führt an einem neuen Bahnsteig entlang.
Der Bahnhof Weener wurde im Rahmen des Brückenneubaus über die Ems ebenfalls erneuert. Der sanierte Bahnsteig wurde mit einem neuen Wetterschutzhaus, neuen Sitzgelegenheiten und einem dynamischen Anzeiger ausgestattet.
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Die Wiederaufnahme des Personenverkehrs zwischen Groningen (NL) und Leer (Ostfriesl) wurde bereits am 1. Oktober 2026 mit einer Sonderfahrt zwischen den beiden Städten gefeiert. Elf Jahre lang konnten hier keine Züge fahren, nachdem ein Frachtschiff die Friesenbrücke über die Ems gerammt und irreparabel beschädigt hatte. 

Neue Brücke, neue Gleise, neue Stationen

Um den SPNV wieder aufnehmen zu können, waren auf deutscher Seite in den vergangenen Jahren umfassende Arbeiten notwendig, allen voran der Neubau der Friesenbrücke über die Ems. Die neue Dreh- und Hubbrücke – die modernste Eisenbahnbrücke ihrer Art in Europa – konnte bereits im vergangenen Sommer für Radfahrer und Fußgänger geöffnet werden. Seit dem 5. Oktober 2026 nehmen auch die Personenzüge des Betreibers Arriva Nederland den Weg über die neue Brücke und verknüpfen die Orte entlang der Wunderline in der deutsch-niederländischen Grenzregion miteinander. Nicht nur die Querung der Ems wurde erneuert, der niederländische Infrastruktur-Betreiber ProRail und die DB InfraGo brachten auch Gleise und Bahnhöfe auf den neuesten Stand. Die Fahrtzeit zwischen Groningen und Leer konnte um eine Viertelstunde verkürzt werden, wobei die Reisenden montags bis freitags in Winschoten umsteigen müssen. Nur an Wochenenden und Feiertagen verkehrt der RE 6 durchgehend. Gefahren wird täglich im Stundentakt, ohne Umstieg liegt die Reisezeit bei gut einer Stunde. In Leer bestehen Anschlüsse nach Emden, Bremen und Osnabrück.

Umfangreiche Bauarbeiten

An der Strecke Winschoten – Leer wurden auf deutscher Seite rund 18 km Gleise, fünf Weichen sowie 19 Durchlässe, Brücken und Unterführungen erneuert. Auch der Neubau der elektronischen Stellwerke in Ihrhove und an der Friesenbrücke, die Modernisierung der Leit- und Sicherungstechnik mit 54 neuen Signalen sowie die technische Anpassung von insgesamt 38 Bahnübergängen sorgen zukünftig für einen stabilen Betrieb. Parallel wurde die Strecke in den Niederlanden ebenfalls modernisiert und ausgebaut. In Bunde und Ihrhove hat die DB InfraGO im Rahmen der Stationsoffensive Niedersachsen gemeinsam mit den Gemeinden, der LNVG und dem Land zudem zwei neue, barrierefreie Stationen errichtet. 

Als grenzüberschreitendes Infrastruktur-Projekt wird die Wunderline gemeinsam von zahlreichen Partnern auf deutscher und niederländischer Seite sowie mit EU-Fördermitteln finanziert. Die ursprünglich bei Baubeginn 2023 zugrunde gelegte Kostenschätzung von rund 180 Mio. Euro hat sich mittlerweile auf derzeit rund 250 Mio. Euro erhöht. Gründe dafür sind insbesondere die dynamische Marktentwicklung mit deutlich gestiegenen Baupreisen und Lieferengpässen. Hinzu kommen ein erweitertes Bauvolumen mit zusätzlichen Maßnahmen, die unter anderem infolge wiederholter Starkregen-Ereignisse und eines schwierigen Baugrunds erforderlich wurden.

Kommentare

m Rahmen der Eröffnungsfahrt am 1. Okrober 2026 sagte Christian Hirte (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: „Mit der Wunderline wächst Europa auf der Schiene weiter zusammen. Die neue Friesenbrücke und die modernisierte Strecke zeigen zugleich: Investitionen in eine leistungsfähige Schienen-Infrastruktur schaffen ganz konkret bessere Verbindungen.“ Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) führt aus: „Die Wunderline verbindet weit mehr als Groningen und Leer. Sie bringt Menschen, Ideen und Chancen zusammen und macht aus einer Grenze einen gemeinsamen Weg. Für die Menschen auf beiden Seiten entstehen dadurch neue Möglichkeiten zum Arbeiten, Lernen und Reisen. Zugleich rücken Niedersachsen und die Niederlande noch enger zusammen.“ Dr. Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der DB InfraGO, ergänzte: „Der Neubau der Friesenbrücke, die Modernisierung der Schienen-Infrastruktur sowie barrierefreie Verkehrsstationen sind entscheidende Voraussetzungen, damit nun wieder Züge zwischen Groningen und Leer fahren können. Damit ermöglichen wir mehr Mobilität auf der Schiene im ländlichen Raum und stärken die Wirtschaft und den Tourismus in der Region.“

Hintergrund

Im Dezember 2015 hatte ein Frachtschiff bei einer Kollision die alte Friesenbrücke irreparabel beschädigt und damit den grenzüberschreitenden Zugverkehr zwischen Bad Nieuweschans (NL) und Leer zum Erliegen gebracht. Für die Wiederaufnahme des Verkehrs waren nach dem Rückbau der alten Brücke umfangreiche Abstimmungen in der Vorplanung erforderlich; dem Neubau der Brücke ging ein langwieriger politischer Prozess voraus. Die eigentliche Bauzeit betrug dann lediglich rund drei Jahre. 

Die Wunderline ist ein wichtiges Bindeglied im gesamteuropäischen Zugverkehr von Amsterdam nach Hamburg und Skandinavien. Sie besteht seit 150 Jahren: Bereits 1876 fuhren regelmäßig Züge zwischen Groningen und Leer. Heute fördert die Wunderline die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit vielen Partnern entlang der Bahnstrecke. Seit 2019 bilden mehr als 20 Gemeinden und Landkreise zusammen mit Verkehrsverbünden und der Provinz Groningen, den Ländern Niedersachsen und Bremen das „Wunderline Netzwerk Anschlussmobilität“  – eine einzigartige Mobilitätskooperation in Europa, die sich unter anderem auf bessere (Bus-)Verbindungen, sicherere Bahnhöfe und bessere Fahrradabstellplätze richtet. 

Mehr Informationen zur Wunderline gibt es hier.

Text: DB AG/red, Bild: Deutsche Bahn AG/Axel Hartmann Fotografie

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