
Der 865 m lange Waisentunnel verbindet die U5 mit dem übrigen Großprofilnetz, also den Linien U6 bis U9. Mit dem Neubau des maroden Bauwerks wird diese seit etwa 10 Jahren unterbrochene Verbindung reaktiviert, die Werkstattbesuche und Fahrzeugeinsätze wieder flexibler macht. Vier Jahre nach Baubeginn sollen die ersten Züge durch den erneuerten Tunnel fahren.
Schlüsselprojekt für das Berliner U‑Bahn-System
Der rund 100 Jahre alte Waisentunnel verläuft vom U-Bahnhof Alexanderplatz unter der Littenstraße und der Spree bis zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Er ermöglicht damit eine direkte Verbindung zwischen der U5 und der U8 in beide Richtungen. Seit der Sperrung des Tunnels vor rund 10 Jahren sind die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde und die Linie U5 vom übrigen Netz getrennt. U-Bahnen müssen für Werkstattbesuche oder Einsätze auf anderen Linien deshalb aufwendig einzeln per Tieflader durch die Stadt transportiert werden. Mit der Fertigstellung des Neubaus entfallen diese Transporte. Werkstatt-Kapazitäten können künftig besser genutzt und Fahrzeuge schneller im gesamten Großprofilnetz eingesetzt werden. Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG, der zusammen mit Vertretern aus der Politik am 13. Juli 2026 den Startschuss für das Bauvorhaben gab, sagte: „Der Waisentunnel ist ein Schlüsselprojekt für das Berliner U‑Bahn-System. Was für Fahrgäste weitgehend unsichtbar bleibt, macht hinter den Kulissen einen großen Unterschied: Mit dem Neubau schaffen wir mehr Flexibilität im Netz und stärken die Stabilität des U‑Bahn-Betriebs.“ Ursprünglich sollten die Bauarbeiten bereits Ende 2025 beginnen.
Bauen unter der Spree bei laufender Schifffahrt
Ein Teil des Waisentunnels verläuft unter der Spree. Die besondere Herausforderung für die BVG und ihre Projektgesellschaft besteht darin, den Ersatzneubau an gleicher Stelle zu errichten und gleichzeitig den Schiffsverkehr aufrechtzuerhalten. Dafür wird der alte Tunnelabschnitt zunächst mithilfe von Stahlbetonschotten vom übrigen U-Bahn-Netz getrennt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Anschließend wird das bestehende Bauwerk zurückgebaut. Dennis Backwinkel, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, erklärte: „Der Neubau des Waisentunnels ist aus baulicher Sicht äußerst anspruchsvoll. Wir errichten einen neuen Tunnel unter der Spree und müssen dabei nicht nur das Bauwerk trocken und sicher halten, sondern auch den Schiffsverkehr am Laufen. Durch das Bauen in zwei Abschnitten können wir die Spree halbseitig trockenlegen und müssen so die Wasserstraße nicht vollständig sperren lassen.“
Für den Neubau werden zuerst auf der südlichen Spreeseite Spundwände und eine Sohlplatte eingebracht, bevor die Baugrube ausgepumpt wird. So können die Bautrupps den ersten Abschnitt des neuen Tunnels errichten. Anschließend wird die Baugrube wieder geflutet und eine weitere Spundwand-Konstruktion auf der nördlichen Spreeseite eingerichtet. Dort wiederholen sich die gleichen Arbeitsschritte. Auf diese Weise entsteht Schritt für Schritt ein vollständig neuer Tunnel.
Text: BVG/red, Bild: BVG, Florian Bündig


