
Vom Testbetrieb zum Fahrerlebnis: Nachdem der automatisierte MAN Lion’s City 12 E seit Anfang September auf der Münchner Linie 178 im öffentlichen Straßenverkehr erprobt und die Strecke für den autonomen Betrieb vorbereitet wurde, beginnt im Projekt MINGA nun die nächste entscheidende Phase. MAN Truck & Bus und die Stadtwerke München (SWM) mit der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) starten gemeinsam mit dem Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München den Betrieb mit Testnutzer*innen. Ab dem 17. November 2026 sollen sie erstmals im autonomen E-Bus zwischen Petuelring und Freimanner Hölzl mitfahren können. Die Fahrten finden montags bis freitags statt. Zum Start hatten die MINGA-Partner am 3. November 2026 Pressevertreter*innen zu einer ersten öffentlichen Testfahrt eingeladen.
Großes Interesse an einer Mitfahrt
Das Interesse der Bevölkerung an der neuen Technologie ist groß: Für eine Mitfahrt im autonomen MAN-E-Bus sind bereits mehr als 2000 Voranmeldungen eingegangen. Bis Juni 2027 soll der Betrieb mit Testnutzer*innen laufen. Bis zu diesem Zeitpunkt können Interessierte in dem 12 m langen Elektrolöwen, der von MAN und seinem Technologiepartner ADASTEC automatisiert wurde, Platz nehmen. Während des gesamten Projekts befindet sich jederzeit Sicherheitsfahrpersonal an Bord, das die Fahrzeugführung bei Bedarf unmittelbar übernehmen kann. „Mit den ersten Testfahrten können Fahrgäste unsere Technologie nun im Alltag erleben. Das ist ein entscheidender Schritt. Denn neben einer sicheren und zuverlässigen Technik braucht es das Vertrauen der Menschen in autonome Fahrzeuge, und das möchten wir gewinnen“, sagte Dr. Frederik Zohm, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei MAN Truck & Bus, bei der Testfahrt am 3. November 2026. Zohm: „Die jetzt gewonnenen Erfahrungen aus dem MINGA-Projekt fließen direkt in die Weiterentwicklung zukünftiger Fahrzeug-Generationen und weitere Anwendungen ein.“ Georg Dunkel, Mobilitätsreferent der Landeshauptstadt München, führte aus: „Das Feedback der Fahrgäste ist für uns von großer Bedeutung, um die Technologie noch besser auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen abzustimmen und den ÖPNV in München zukunftsfähig zu gestalten.“ Sinaida Cordes, Prokuristin von SWM und MVG, ergänzte: „Entscheidend ist für uns, ob und wie sich autonome Busse skalieren und künftig zuverlässig sowie wirtschaftlich in einen effizienten Linienverkehr integrieren lassen. Mit dem automatisierten 12-m-Bus erproben wir dabei erstmals eine Fahrzeuggröße, die das Potenzial für einen leistungsfähigen Einsatz im regulären Busbetrieb bietet.“
Jetzt für eine Mitfahrt auf der Linie 178 anmelden
Der autonome E-Bus wird als zusätzliches Fahrzeug auf der bestehenden Linie 178 eingesetzt und simuliert einen späteren Einsatz im regulären Linienbetrieb unter möglichst realen Bedingungen. Die Linie ist dafür besonders gut geeignet, da sie unterschiedliche Verkehrssituationen wie Hauptverkehrsachsen, Tempo-30-Zonen, Parkgebiete und Unterführungen vereint und damit das abwechslungsreiche Münchner Busnetz gut abbildet. Die Mitfahrt der Testnutzer*innen erfolgt im Rahmen einer geschlossenen Nutzergruppe. Interessierte können sich hier registrieren, um in einem Interessentenpool aufgenommen zu werden.
Testbetrieb wird wissenschaftlich begleitet
Die Erfahrungen der Fahrgäste während der Testfahrten sollen wichtige Erkenntnisse dazu liefern, wie autonome Fahrsysteme im öffentlichen Nahverkehr betrieben werden können und wie sie von der Öffentlichkeit angenommen werden. Die wissenschaftliche Begleitung des Testbetriebs erfolgt durch die Technische Universität München (TUM) sowie der Universität Stuttgart. Im Rahmen freiwilliger Befragungen vor und nach der Fahrt werden die Eindrücke der Fahrgäste sowie ihr Sicherheitsempfinden erfasst. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Barrierefreiheit. Ergänzend werden bei ausgewählten Fahrten vertiefende Beobachtungsstudien und freiwillige Interviews mit Fahrgästen zur Bewertung der Akzeptanz und des Sicherheitsempfindens autonomer Fahrzeuge durchgeführt.
Umfangreiche Vorbereitungen
Der automatisierte MAN Lion’s City 12 E ist mit fünf LiDAR-Sensoren, sechs Radaren, acht Kameras und einer satellitengestützten Positionsbestimmung ausgestattet. Begleitet von speziell geschultem Sicherheitsfahrpersonal von MAN und MVG wurden in den letzten Wochen umfangreiche Streckendaten der Linie 178 erfasst. Diese bilden die Grundlage dafür, dass der Stadtbus die Strecke nun eigenständig und sicher befahren kann. „Das Fahrzeug lenkt dabei unter anderem selbst, gibt Gas, bremst und blinkt. Das Sicherheitsfahrpersonal bleibt dennoch jederzeit an Bord, um die Systeme zu überwachen“, erklärt Dr. Michael Roth, Leiter Bus-Strategie und Produktstrategie Bus bei MAN. Vor dem Einsatz im öffentlichen Straßenverkehr hat der automatisierte Elektrobus zudem ein umfangreiches Testprogramm auf dem MAN-Gelände erfolgreich absolviert und die erforderlichen technischen Prüfungen durch den TÜV und weitere Genehmigungsverfahren durchlaufen.
Autonome Busse für die Mobilität der Zukunft
Mit dem Einsatz von autonomen Bussen wollen die Projektpartner den öffentlichen Personennahverkehr der Zukunft effizienter, flexibler und nachhaltiger gestalten. Insbesondere vor dem Hintergrund wachsender Städte und eines zunehmenden Fahrermangels bieten autonome Systeme großes Potenzial zur Sicherstellung und Verbesserung des Mobilitätsangebots. Deshalb arbeitet MAN bereits seit Jahren an fahrerlosen Bussen. Im Forschungsprojekt MINGA setzt MAN mit ADASTEC als Technologiepartner auf einen spezialisierten Anbieter für automatisierte Fahrsysteme. SWM und MVG verantworten die betriebliche Einbindung des Testbetriebs in das Münchner Busnetz. Dazu gehören die Durchführung der Fahrten auf der Linie 178, der Einsatz des geschulten Sicherheitsfahrpersonals sowie die Information und Begleitung der Testnutzerinnen und Testnutzer.
Forschungsvorhaben MINGA läuft bis Juni 2027
Das Forschungsvorhaben MINGA „Münchens automatisierter Nahverkehr mit Ridepooling, Solobus und Bus-Platoons“ bündelt seit 2023 die Kompetenz von insgesamt 16 Partnern aus Verwaltung, Forschung und Wirtschaft. Das Mobilitätsreferat der Landeshauptstadt München verantwortet als Konsortialführer das Gesamtprojekt. Ziel ist es, automatisierte und vernetzte Mobilitätslösungen in das bestehende Verkehrssystem zu integrieren und zentrale Fragestellungen zu Technik, Regulierung, Wirtschaftlichkeit, Barrierefreiheit und Betrieb zu beantworten. Gefördert wird das Projekt dabei bis Mitte 2027 mit rund 13 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr (BMV).
Text: MAN/SWM/MVG/red, Bild: MAN Truck & Bus



