
Die Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (evb) betreibt ein 235 km umfassendes Schienennetz im Elbe-Weser-Dreieck. Personenverkehr wird auf der Achse von Bremerhaven über Bremervörde nach Buxtehude (RB 33) betrieben, wo Anschluss an die Hamburger S-Bahn besteht. Eingesetzt werden Wasserstoff-Triebzüge des Typs Alstom Coradia iLint. Zum evb-Streckennetz gehört auch die rund 30 km lange Verbindung Bremervörde – Stade. Aufgrund des guten Streckenzustands und des hohen Fahrgastpotenzials wird hier eine Reaktivierung angestrebt.
Positiver Nutzen-Kosten-Indikator (NKI)
Ziel der Reaktivierung ist es, den öffentlichen Nahverkehr deutlich attraktiver zu machen und die Region besser an Stade und darüber hinaus anzubinden. Die neue RB 34 soll künftig in Bremervörde, Hesedorf, Mulsum-Essel, Fredenbeck, Deinste, Hagen, Riensförde und Stade halten. In Riensförde entsteht ein neuer Haltepunkt direkt am Bildungscampus. Still stand die Strecke, auf der 1993 die letzten regulären Personenzüge verkehrten, nie: Derzeit wird sie neben dem saisonal verkehrenden Moorexpress (Bremen – Bremervörde – Stade) täglich von Güterzügen und Zubringerfahrten zur evb-eigenen Werkstatt in Bremervörde genutzt. Eine 2022 erstellte Machbarkeitsstudie, beauftragt und finanziert durch die evb sowie die Landkreise Osterholz, Rotenburg und Stade, hatte einen deutlich positiven Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) für Linie Bremervörde – Stade ergeben. Damit ist es möglich, Fördermittel des Bundes für das Vorhaben zu beantragen. Insgesamt sind Investitionen von rund 22 Mio. Euro für die SPNV-bezogenen Maßnahmen vorgesehen. „Die Wiederbelebung der Bahnverbindung zwischen Bremervörde und Stade ist ein Meilenstein für die Entwicklung des SPNV“, sagte Kai Seefried (CDU), Landrat des Landkreises Stade. „Gerade auch für die Kommunen entlang der Strecke, die über neue Bahnhöfe angebunden werden, ist diese Entwicklung eine große Chance.“
Intensive Vorbereitungen tragen Früchte
Seit dem Startschuss im Juni 2023 hat das Infrastruktur-Team der evb in enger Abstimmung mit der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) als Aufgabenträger sowie der DB InfraGO, verantwortlich für den Anschluss in Stade, die Planungen vorangetrieben und etliche vorbereitende Maßnahmen umgesetzt. Das künftige SPNV-Angebot wird durch die LNVG bestellt und finanziert. „Die kürzlich erfolgten Einreichung des Antrags auf Förderung durch das Land ist die Grundlage für einen Förderantrag beim Bund. Auch die Unterlagen für die Planfeststellung sind eingereicht. So sind zwei wichtige Meilensteine erreicht“, erläuterte Christoph Grimm, Geschäftsführer Produktion und Markt und Sprecher der Geschäftsführung der evb, am 23. Juni 2026.
Was konkret geplant ist
Um den regulären SPNV zu ermöglichen, sind bis zum Fahrplanwechsel 2028/29 diverse Modernisierungen und Ausbauten zwischen Bremervörde und Stade notwendig. Die Strecke selbst wird umfassend ertüchtigt, etwa durch neue Signaltechnik, einen erneuerten Oberbau sowie neue Bahnübergangs-Sicherungen. Daneben sind zahlreiche Bahnsteige zu sanieren oder neu zu errichten und mit Fahrgast-Informationssystemen, Wetterschutz-Häuschen sowie weiterer Infrastruktur auszustatten. Ebenfalls neu angelegt werden müssen barrierefreie Zugänge für mobilitätseingeschränkte Personen. Die Anpassung der Bahnhofsumfelder, um die neue RB 34 eng mit Bus, Fahrrad und Auto zu verknüpfen, liegt in der Verantwortung der Gemeinden – in zahlreichen Orten werden beispielsweise neue Park-&-Ride- und Bike-&-Ride-Stellplätze entstehen. Im Bahnhof Stade muss die Infrastruktur der Deutschen Bahn (DB AG) angepasst werden, die Federführung hier liegt bei der DB InfraGO.
So geht es weiter
Der nächsten wichtige Schritt für die Reaktivierung der Strecke ist eine erneute standardisierte Bewertung zur Überprüfung des Maßnahmenerfolgs, die bis Juni 2027 fertiggestellt sein soll. Bei erfolgreicher Beendigung aller bisherigen Schritte – und wenn genügend Finanzmittel zur Verfügung stehen –, könnte die Finanzierungszusage des Bundes im Januar 2028 vorliegen. Die Bauarbeiten an Gleisen und Bahnhöfen unter Regie der evb würden von März bis November 2028 laufen.
Text: evb/red, Bild: Regionalverkehr


